Glossar

A

able-bodied

Menschen, die keine körperliche Beeinträchtigung jeglicher Form haben. Das Gegenteil von non-able bodied. Technisch gesehen sind mentale Krankheiten auch körperliche Beeinträchtigungen, da es sich um ein Organ handelt: Das Gehirn. 1

able-bodied privilege

Das Privileg zu haben in einer Gesellschaft zu leben, die den eigenen Körper als „normal“  und als „Richtwert“  betrachtet und damit nicht aufgrund von seinem Körper diskriminiert/unterdrückt/ermordet, etc. zu werden. Able-bodied Menschen profitieren somit auch von der Unterdrückung/Diskriminierung und co. von non-able bodied Menschen. Able-bodied privilege ist institutionell, konstitutionell und auf allen anderen sozialen und sozio-ökonomischen Bereichen vertreten. Zum Beispiel haben able-bodied Menschen zu bestimmten Dingen mehr/leichteren Zugang, als körperlich beeinträchtigte Menschen. 1

Ableismus (engl. ableism)

bezeichnet die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit (zugeschriebener) Behinderung bzw. von Menschen, die behindert werden. Es wird eine deutliche Grenze zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung gezogen (Othering), die u. a. in Form von Produktivitäts-, Schönheits- und Gesundheitsnormen tief in der Gesellschaft verankert ist. Von den Diskriminierenden wird Ableismus oft nicht bewusst wahrgenommen oder als „gut gemeint“ angesehen. Dies kann sich z. B. in bevormundender Hilfe niederschlagen. Eine Behinderung, durch die Menschen mit Behinderung an der Entfaltung ihrer persönlichen Möglichkeiten be- bzw. gehindert werden, entsteht aber oft erst durch die Diskriminierung selbst, einerseits indem Eigenschaften und Bedürfnisse der Betroffenen durch Institutionen nicht mitgedacht werden, weil sie nicht unter das fallen, was gesellschaftlich als „normal“ definiert wird; andererseits weil ihnen notwendige Hilfen zur Kompensation ihrer physischen, psychischen oder gesundheitlichen Beeinträchtigung verwehrt oder nur in fremdbestimmter Form gewährt werden. Beispiele sind Barrieren wie Treppen statt Rampen für Rollstuhlfahrer:innen, fehlende akustische Ansagen für seheingeschränkte Menschen oder die mangelnde Inklusion im Bildungssystem. Auf diese Weise werden Menschen, die behindert werden, strukturell ausgeschlossen und „unsichtbar“ gemacht. Dies stabilisiert wiederum die gesellschaftlichen Vorstellungen von „normalen“ körperlichen, seelischen und gesundheitlichen Merkmalen. 3

Abschiebung

bezeichnet die unter Zwang erfolgende Ausreise von Ausländer:innen aus Deutschland. In vielen Fällen findet sie unter Anwendung von polizeilicher Gewalt sowie in Begleitung von Polizeibeamt:innen statt. Behörden verwenden dafür den Begriff »Rückführung«, der von Hilfsorganisationen für Geflüchtete als euphemistisch kritisiert wird. 2

Adultismus

bezeichnet die strukturelle Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen durch ungleiche Machtverhältnisse mit Erwachsenen. Diese Diskriminierung zeigt sich in Normen, Gesetzen, Traditionen und Gewohnheiten, die Kinder und Jugendliche hierarchisch unterordnen. Beispiele sind Grenzüberschreitungen, abwertende Sprache, Nichtbeachtung und spezifische Regeln nur für Kinder 3

Ärztlicher Habitus

Der Begriff „Habitus“ nach Pierre Bourdieu beschreibt die internalisierten Denk- und Handlungsmuster, die aus sozialen Bedingungen und individuellen Erfahrungen hervorgehen. Diese tief verankerten Dispositionen beeinflussen, wie Menschen ihre Welt wahrnehmen und sich in ihr verhalten.

Der „ärztliche Habitus“ bezieht sich auf die spezifische Form dieses Habitus innerhalb der medizinischen Berufsausbildung und Praxis. Er beschreibt das normative Selbstbild von Ärzt:innen, das durch die Ausbildung geprägt wird. Dieses Selbstbild zeigt sich in der Vorstellung, Ärzt:innen seien neutral und universell, während bestimmte Patient:innengruppen als „fremd“ wahrgenommen werden. Dieser Habitus prägt nicht nur die Wahrnehmung und das Verhalten gegenüber Patient:innen, die nicht dem normativen Bild entsprechen, sondern beeinflusst auch die Integration und das Selbstverständnis rassistisch markierter Medizinstudierender und Ärzt:innen. Er trägt so zur Reproduktion von Ausgrenzung und Stigmatisierung in der medizinischen Praxis bei. 4

AFAB (=Assigned Female At Birth)

Das Geschlecht, das einem aufgrund seiner Chromosome und Genitalien bei der Geburt vorgeschrieben wird. In diesem Fall die Vulva und Vagina. 1

Afrodeutsche

ist eine Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen in Deutschland, die sich Ende der 1980er-Jahre entwickelt hat. Afrodeutsche haben nicht zwingend eine afrikanische Einwanderungsgeschichte. Unabhängig vom Geburtsort der Eltern oder Großeltern sind sie Teil der Schwarzen Diaspora. 2

Ageismus (Altersdiskriminierung)

ist die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Alters. Dies kann sowohl jüngere als auch ältere Menschen betreffen. Junge Menschen werden oft nicht ernst genommen, wie im Fall der Klimaaktivistin Greta Thunberg, während ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt oder in der medizinischen Versorgung schlechter behandelt werden. Ageismus ist tief in gesellschaftlichen Wertvorstellungen verankert, die Leistung und Erfolg priorisieren und dadurch Menschen nur nach ihrem vermeintlichen Nutzen beurteilen. Um Ageismus zu bekämpfen, muss die Gesellschaft lernen, Menschen nicht nur auf ihr Leistungspotenzial zu reduzieren und sich gegen Altersdiskriminierung engagieren. 5

Agender

Agender Personen fühlen sich keinem Geschlecht zugehörig. Das Konzept von Geschlecht wird hinterfragt oder teilweise komplett abgelehnt. Agendersein ist eine spezifische Ausprägung von Nicht-Binärität, weshalb manchmal auch die Abkürzung FLINT* verwendet wird, wobei agender Personen sich entweder dem N oder dem Sternchen zuordnen können. 7

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

schreibt in Deutschland das Recht fest, nicht diskriminiert zu werden. Es wurde 2006 verabschiedet und bildet seitdem die juristische Grundlage, um sich gegen Diskriminierung zu verteidigen 2

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt bei Diskriminierungen wegen des Alters, einer Behinderung, der ethnischen Herkunft, aus rassistischen Gründen, wegen des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung oder der sexuellen Identität. 6

Allosexismus

Die Privilegierung von Menschen, die in einem für ihren Kontext mindestens als durchschnittlich geltenden Maße andere sexuell begehren. Die Diskriminierung von asexuellen, demisexuellen und graysexuellen Menschen 8

Alltagsrassismus

verbindet individuelle Handlungen mit gesellschaftlich-kulturellem Rassismus und zeigt sich in scheinbar neutralen oder positiven Fragen und Gesten. Er zeichnet sich durch die Verschleierung seiner Gewalt und die implizite Ausgrenzung rassifizierbarer Menschen aus dem „Wir“ aus, indem sie als „Andere“ behandelt werden. Alltagsrassismus ist regelmäßig und erschüttert ständig das Selbstbild der Betroffenen, deren Erfahrungen oft nicht anerkannt werden 3

Ally (engl. Alliierte*r)

ist im politischen und aktivistischen Sinn eine Person, die sich für die Interessen von diskriminierten Gruppen einsetzt, zu denen sie selbst nicht gehört. Gleichgesinnte weiße Verbündete können Allys sein – allerdings nur, wenn diejenigen, die unterstützt werden, sie als solche betrachten. 2

AMAB (=Assigned Male At Birth)

Das Geschlecht, das einem aufgrund seiner Chromosome und Genitalien bei der Geburt vorgeschrieben wird. In diesem Fall der Penis und Hoden. 1

Ambiguitätstoleranz

Ambiguitätstoleranz ist ein Konzept, das die Fähigkeit von Menschen bezeichnet, Uneindeutigkeiten, Mehrdeutigkeiten, Widersprüche, Unentscheidbarkeit und Vagheit (d. h. Ambiguität) auszuhalten und mit ihnen konstruktiv umzugehen oder sie sogar aktiv zu suchen und zu genießen. Hierfür ist ein gewisser Reifegrad von Menschen und sozialen Systemen, die das Freund-Feind-Denken überwinden, erforderlich. Die Neigung, Uneindeutigkeiten abzuwehren und zu vermeiden, wird hingegen Ambiguitätsintoleranz genannt. 3

Androzentrismus/ androzentrisch

(von griechisch andras = der Mann): Gesellschaftsform, die Männer und das, was als männlich definiert wird, ins Zentrum stellt und beispielsweise in Bezug auf beruflichen Erfolg, den Zugang zu Macht und Status oder wirtschaftlicher Unabhängigkeit sowie Respekt und Ernstgenommen-Werden privilegiert. Dies gilt nicht nur für Personen (Männer), sondern auch für Eigenschaften, Tätigkeiten, Kompetenzen etc., z.B. die Privilegierung von Durchsetzungsfähigkeit, Autonomie, technischen Berufen, Literatur, versus die Geringerschätzung im Zugang zu gesellschaftlicher Macht und Ressourcen von z.B. Harmonie, Bindungsorientierung, Fürsorgetätigkeiten, ‚Frauen-Literatur‘, rosa als verbesonderter und potenziell peinlicher Mädchen-Farbe etc. 8

AnkER-Zentrum

Abkürzung für Ankunft, Entscheidung und Rückführung. Geflüchtete müssen in diesen Lagern so lange wohnen, bis ihre Asylverfahren endgültig abgeschlossen sind. Danach sollen sie auf zugewiesene Wohnorte verteilt oder direkt abgeschoben werden können. Es wird kritisiert, dass Asylverfahren oft viele Monate lang dauern und die Menschen sich in dieser Zeit nicht frei bewegen können. Auch sei in diesen Einrichtungen keine unabhängige Verfahrens- und Rechtsberatung gewährleistet. 2

Anti-Schwarzer Rassismus

richtet sich spezifisch gegen Schwarze Menschen und entstand systematisch mit der Versklavung sowie der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents und seiner Bewohner:innen. Um die brutale Kolonialisierung zu legitimieren, erklärten Europäer:innen, darunter auch Wissenschaftler:innen, Schwarze zu minderwertigen Menschen. Das geschah besonders anhand physischer Eigenschaften, zum Beispiel der Körperform oder von Afrohaaren. 2

Antiasiatischer Rassismus

Bezieht sich auf die historischen und fortdauernden Prozesse der Stereotypisierung und Rassifizierung von Menschen asiatischer Herkunft. Diese Form des Rassismus zeigt sich sowohl in abwertender als auch in exotisierender Weise. Menschen asiatischer Herkunft sind auf individueller, struktureller und systemischer Ebene spezifischen offenen und subtilen Formen rassistischer Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Dies führt zu ihrer sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Marginalisierung, Benachteiligung und Ungleichbehandlung. 9

Antidiskriminierung

umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen, die darauf abzielen, Diskriminierung in all ihren Formen aktiv zu bekämpfen. Dazu gehören Beratung, Unterstützung von Betroffenen, Dokumentation von Diskriminierungsfällen sowie gesetzliche Regelungen zum Schutz vor Diskriminierung, alles mit dem Ziel, fundamentale Menschenrechte zu sichern 3

Antimuslimischer Rassismus

bezeichnet die Diskriminierung von Menschen, die aufgrund ihrer tatsächlichen oder auch bloß zugeschriebenen Religionszugehörigkeit als Muslim:innen wahrgenommen werden. Im Vergleich zu den Begriffen Islamophobie oder Islamfeindlichkeit verweist die Bezeichnung antimuslimischer Rassismus auf das tatsächliche Problem: eine rassistische Vorstellung von Muslim:innen als homogene Gruppe, der bestimmte (zumeist negative) Eigenschaften zugewiesen werden und die als fremd eingeordnet wird. 2

Antirassismus

beschreibt das Streben, rassistische Strukturen und Einstellungen zu beseitigen, doch einige kritisieren, dass ihm eine selbstreflexive Komponente fehlt, indem er voraussetzt, dass Menschen eine rassismusfreie Position einnehmen könnten. Eine rassismuskritische Perspektive hingegen argumentiert, dass in einer von Rassismus geprägten Gesellschaft ein Raum ohne Rassismus schwer zu erreichen ist und plädiert daher für eine offene Auseinandersetzung mit rassistischen Realitäten 3

Antiromaismus & Antisintiismus

beschreibt Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zze , ohne das Schimpfwort Z*** zu reproduzieren, und wird deshalb von einigen Betroffenen bevorzugt. Der Begriff ist allerdings in der Kritik, weil er aussagt, dass Menschen diskriminiert werden, weil sie Rom*nja sind 2

Antisemitismus

ist ein Oberbegriff für sämtliche Formen von Judenfeindschaft. Er beschreibt Hass, feindliche Einstellungen, Äußerungen, Handlungen und Vorurteile gegenüber Juden:Jüdinnen sowie gegenüber Personen, die als jüdisch wahrgenommen werden. Dabei geht Antisemitismus über eine allgemeine Judenfeindschaft hinaus und umfasst mindestens drei zentrale Dimensionen: eine rassistische, eine anti-religiöse (auch antijudaistische) und eine verschwörungsideologische.

In der wissenschaftlichen Forschung wird Antisemitismus typologisch weiter differenziert. Es werden verschiedene Formen unterschieden, die sich zeitlich und inhaltlich überlagern können:

  • Antijudaismus (religiös motivierte Judenfeindschaft),
  • moderner Antisemitismus (v. a. rassistisch begründet),
  • sekundärer Antisemitismus nach der Shoah (auch „Post-Shoah-Antisemitismus“),

sowie israelbezogener Antisemitismus, der sich gegen den Staat Israel richtet, dabei aber antisemitische Stereotype nutzt. 10 11

Antislawischer Rassismus

bezeichnet die strukturelle Diskriminierung von Menschen, die vermeintlich oder selbstgewählt zur sozial-konstruierten Gruppe der Slaw:innen gehören. Diese Diskriminierungsform kann sich auch pauschal gegen die Bevölkerung von Ländern wie Polen, Russland, Ukraine, Serbien, Bulgarien usw. richten oder gegen Menschen, denen die nationale oder ethnische Zugehörigkeit zu einem dieser Länder zugeschrieben wird 2

asexuell/ ace/ Asexualität/

beschreibt Menschen, die kein sexuelles Begehren für andere haben bzw. keinen Sex mit anderen wollen. Asexuelle Menschen können aromantisch sein oder romantische Bindungen leben bzw. sie sich wünschen. Hierfür werden Begriffe wie heteroromantisch, homoromantisch, biromantisch, panromantisch, queerromantisch und viele weitere verwendet, je nachdem welche Geschlechter die Personen haben, mit denen Bindungen gelebt werden. Manche asexuellen Menschen haben Solo-Sex (also Sex mit sich selbst), manche haben gar kein sexuelles Begehren. Manche asexuellen Menschen haben keinen Sex, andere haben Sex z.B. mit einer:einem Partner:in, der:dem sie etwas Gutes tun oder den:die sie nicht enttäuschen wollen, um Kinder zu bekommen oder weil sie Sex-Arbeit machen. Es geht hier also nicht um sexuelle Praxis, Zölibat, keinen Sex vor der Ehe oder Ähnliches, sondern um die Abwesenheit sexuellen Begehrens für Andere. 8

Asyl

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in dem das Recht auf Asyl in der Verfassung festgeschrieben ist: »Politisch Verfolgte genießen Asylrecht«, heißt es in § 16a Grundgesetz. Doch dieses Recht wurde 1993, nach einer Welle rassistischer Gewalttaten, mit dem sogenannten »Asylkompromiss« stark eingeschränkt und ist weitgehend vom EU-Recht abgelöst. Lediglich ein bis zwei Prozent der Asylbewerber:innen erhalten in Deutschland Asyl nach dem Grundgesetz (»Asylberechtigte«), weil sie durch den Herkunftsstaat oder staatsähnliche Akteure verfolgt werden. 2

„Asylant:in“

ist negativ konnotiert. Der Begriff wird (eher in der männlichen Form) häufig dann verwendet, wenn Geflüchtete als Bedrohung oder Belastung betrachtet werden und nicht als Schutzsuchende. Alternativen: Asylsuchende, exilierte Menschen, je nach Status auch Asylberechtigte, geschützte Personen u.v.m. 2

Asylbewerberleistungsgesetz

Personen, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) unterliegen, sind vom staatlichen Krankenversicherungssystem in der Bundesrepublik Deutschland ausgenommen. In Bezug auf die Gesundheitsversorgung können sie nur reduzierte Leistungen beziehen. Dies gilt für die ersten 36 Monate* ihres Aufenthalts im Bundesgebiet. 12

Statt mit der Krankenkasse müssen behandelnde Ärzt:innen in diesem Zeitraum mit den zuständigen Sozialämtern abrechnen.

Gemäß des AsylbLG werden Kosten für die Behandlung von akuten und schmerzhaften Erkrankungen, Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und für Behandlungen in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt übernommen. Im Einzelfall kann außerdem die Versorgung von nicht fortschreitenden chronischen Erkrankungen, Hilfs- und Heilmitteln, Krankentransport und Sprachmittlung gewährt werden, sofern sie zur Sicherung der Gesundheit erforderlich sind.

Die Abschnitte des AsylbLG, die sich mit der medizinischen Versorgung befassen, zeichnen sich durch Definitionsunschärfe (z.B. was eine „akute Erkrankung“ ist) und durch große Ermessensspielräume aus, die von Sozialämtern unterschiedlich interpretiert werden und zu einer regional heterogenen Praxis der Kostenübernahme führen. „Neben der Beförderung regionaler Ungleichheit wirkt die mit der Kostenübernahme verbundene Unsicherheit (…) in die Ärzteschaft hinein und befördert dort die Wahrnehmung, dass Asylsuchende eine ‚andere Kategorie’ von Patienten darstellen, deren Versorgung separaten Prinzipien folgt. Im Ergebnis lässt sich beobachten, dass Ärztinnen und Ärzte ihren Patient/-innen unter Verweis auf das AsylbLG Leistungen verweigern, auf die diese einen Rechtsanspruch haben.“ 13

*Anmerkung: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Lageberichts Rassismus waren es 18 Monate. Durch eine Neuregelung des Asylbewerberleistungsgesetzes im Februar 2024 wurde der Zeitraum von 18 Monaten auf 36 Monate erhöht.

Asylsuchende

Bezeichnung von Menschen, die in Deutschland Asyl suchen. Unterschieden wird dabei zwischen dem Status als asylberechtige Person nach Art. 16 A des Grundgesetzes (GG) bzw. nach § 2 des Asylgesetzes (AsylG), dem Status als ‚Flüchtling‘ nach der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) bzw. nach § 3 AsylG sowie dem Status als subsidiär Schutzberechtigte:r nach EU-Recht bzw. § 4 AsylG 14

Audismus

bezeichnet die Diskriminierung Tauber Menschen. Dieser liegt eine höhere Wertschätzung von Hören und Sprechen und eine Abwertung Tauber Menschen als „defekt“ zugrunde. Viele Hörende haben die Vorstellung, dass ein Leben ohne Gehör minderwertig sei. Eine Folge davon ist die Diskriminierung von Gehörlosenkultur und Gebärdensprache(n), die bis heute als weniger wert betrachtet und marginalisiert werden. 15

Ausländerhass/ Fremdenfeindlichkeit

sind als Synonyme für Rassismus und rassistische Tatmotive ungenau, da es selten um tatsächliche Fremde wie etwa Tourist:innen geht. Von der vermeintlichen „Ausländerfeindlichkeit“  sind oft deutsche Staatsangehörige betroffen. Wer Angriffe auf BIPoC als „Fremdenfeindlichkeit“  oder „Ausländerhass“  bezeichnet, übernimmt die Sichtweise der rassistischen Täter:innen. Präziser ist es, die Straftaten und Motive als rassistisch, rassistisch motiviert, rechtsextrem, rechtsterroristisch oder neonazistisch zu bezeichnen. 2

„Ausländer:in“

Wortgeschichtlich ging die personale Verwendung des Begriffs der territorialen Verwendung voraus und stand in enger Verbindung mit dem älteren und umfassenderen Wortfeld ‚Fremder/fremd‘. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts formten sich ‚Ausländer/Fremder‘ und ‚Deutscher/Einheimischer‘ als Gegenbegriffe aus, in denen der Gegensatz zwischen einem positiv konnotierten Innen und einem tendenziell abgewerteten Außen festgeschrieben wurde. Mit ‚Ausländer‘ wurden in der politischen Alltagssprache nach 1945 bis an den linken Rand des politischen Spektrums nicht nur Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit bezeichnet, sondern auch Menschen, die etwa aufgrund ihrer kulturell-ethnischen oder religiösen Herkunft als fremd wahrgenommen wurden 14 → Aufgrund der negative Assoziation und Konnotation steht dieser Begriff in Kritik

Der Begriff bezeichnet Einwohner:innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Als Synonym für Einwander:innen ist er dagegen falsch, da die meisten Eingewanderten und ihre Nachkommen keine Ausländer:innen mehr sind, sondern Deutsche. Grundsätzlich verortet „Ausländer:innen“   Menschen im Ausland und klingt nicht nach jemandem, der*die den Lebensmittelpunkt in Deutschland hat. 2

B

Behinderter Mensch, Mensch mit Behinderung

Seit ein paar Jahren haben sich neue Begriffe etabliert: „Menschen mit Beeinträchtigungen“ und „beeinträchtigte Menschen“. Die Disability Studies unterscheiden zwischen Beeinträchtigung und Behinderung: Die Beeinträchtigung ist die körperliche Seite der Behinderung – das fehlende Bein oder die fehlende Sehkraft, die chronische Krankheit. Bei „Behinderung“ kommt eine soziale Dimension dazu – Barrieren behindern und schließen aus, und das macht die Beeinträchtigung oft erst zum Problem. 16

bias / unconscious bias

Der Begriff bias kommt aus dem Englischen und beschreibt kognitive Verzerrungen, die nicht wahrgenommen werden, wie z.B. automatische Stereotype und andere fehlerhafte Neigungen bei der Wahrnehmung, Erinnerung und Beurteilung. Solche Verzerrungen (biases) treten meist unbewusst (= unconscious bias) auf. Viele unserer unconscious biases lassen sich aus allgemeinen Prinzipien der Evolutionstheorie ableiten. Wir stecken beispielsweise die wahrgenommene Welt in Schubladen, um schneller auf neue Informationen reagieren zu können. 17

binär

Eine binäre Vorstellung von Geschlecht kennt nur zwei Geschlechter: männlich und weiblich. Diese Vorstellung reduziert Menschen auf zwei Geschlechter. Sie bewertet weitere Geschlechtsidentitäten als abweichend von der gesellschaftlichen Norm. Doch diese Vorstellung trifft nicht zu, denn es gibt schon immer vielfältige Geschlechtsidentitäten und Lebensweisen. 4

Bindestrich-Deutsche

wird manchmal als Selbstbezeichnung von Menschen mit internationaler Geschichte benutzt. Der Begriff spielt auf Bezeichnungen wie Deutsch-Türk:in an, benennt einerseits ein Zugehörigkeitsgefühl zu mehr als einer Kultur und spiegelt andererseits die Unterstellung wider, dass eingewanderte Menschen keine »echten« Deutschen seien. 2

Biologismus

bezeichnet den Versuch, Menschen anhand biologischer Merkmale in klar abgegrenzte Gruppen zu unterteilen, um soziale Phänomene zu erklären, oft im Kontext von Rassismus oder anderen Formen der Diskriminierung. Diese Denkweise war vor allem im 18. Jahrhundert beim wissenschaftlichen Rassismus verbreitet und ermöglichte es, menschliche Unterschiede unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Autorität zu erklären. 3

BIPoC (= Black, Indigenious and People of Colour)

BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) ist eine Selbstbezeichnung von und für Menschen mit Rassismuserfahrungen. People of Color (Singular Person of Color) steht für Menschen, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden und sich selbst nicht so definieren. Black benennt Schwarze Menschen mit Rassismuserfahrungen explizit und schließt sie mit ein. Indigenous beschreibt eine ebenfalls heterogene Gruppe von Menschen, die sich v. a. durch die Merkmale Selbstzuschreibung, Ortsgebundenheit und Traditionsverbundenheit sowie koloniale Gewalterfahrungen verbinden. Bei den Begriffen Schwarz, weiß und PoC geht es um die Benennung von Rassismus und den Machtverhältnissen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft, nicht um Hautfarben. Der Begriff BIPoC hat sich als Selbstbezeichnung im rassismuskritischen Diskurs inzwischen etabliert, wird jedoch auch kritisiert, weil darin sehr heterogene Gruppen ohne Differenzierung vermengt werden (siehe auch PoC) 2

Bisexualität/bisexuell/ biromantisch/

Eine sexuelle bzw. amouröse Orientierung, die sich auf Personen mindestens zweier Geschlechter bezieht. Manche Bisexuelle interessieren sich für Männer und Frauen, manche für Menschen aller Geschlechter. Bi+sexualität wird teils als Oberbegriff für alle sexuellen/romantischen Orientierungen verwendet, die sich auf mehr als ein Geschlecht richten, wenn dabei gewürdigt werden soll, dass nicht alle, die gemeint sind, selbst als bi verstehen. Er umfasst also u.a. auch Pan- und Polysexualität bzw. -romantik. Manche Bi-*Aktivist:innen empfinden es als entsolidarisierend, wenn Pansexualität/Panromantik als Gegenbegriffe zu Bisexualität aufgemacht werden, und damit nahegelegt wird, ‚bi‘ sei begrenzt auf Männer und Frauen. Sie halten dagegen, dass der Begriff historisch bedingt ist, aber auf eine Bewegungsgeschichte zurückgeht, die nicht einfach aufgegeben werden sollte. Teils wird der Bezug auf zwei Geschlechter in der Vorsilbe bi auch definiert als Anziehung zum eigenen Geschlecht und zu anderen Geschlechtern. 8

Bodyismus

auch bekannt als Lookismus, beschreibt die Diskriminierung und Dominanz aufgrund von körperlichen Schönheits- und Gesundheitsstandards. Diese Normen, geprägt durch kulturelle Einflüsse und oft durch Werbung verstärkt, führen dazu, dass Menschen, die nicht in diese Normen passen, auf verschiedenen Ebenen diskriminiert werden. Diese Vorstellungen von Schönheit und Gesundheit sind historisch gewachsen und haben enge Verbindungen zum Rassismus, indem sie oft mit Weißsein gleichgesetzt werden. 3

Bodypositivity

Body Positivity bedeutet, jedem Körper mit Respekt zu begegnen, wobei eine Grundlage dafür die Erkenntnis ist, dass alle Körper gleich wertvoll sind, d.h., von Körperformen kann man nicht auf die Persönlichkeit eines Menschen schließen. Body Positivity wirkt dabei auf zwei Ebenen: der personalen (individuell) und der sozialen (systemisch), wobei diese Wirkebenen ineinander greifen. Persönlich manifestiert sich Body Positivity in erster Linie dadurch, dass man freundlich und bedürfnisorientiert mit seinem eigenen Körper umgeht, ihn genau so akzeptiert, wie er gerade ist, was auch alle seine Veränderungen mit einschließt. Für die Gesellschaft zeigt sich Body Positivity, indem man Menschen aufgrund ihrer Körperform weder besser noch schlechter behandelt, d.h., alle Körper sind gute Körper und alle Menschen sind gleich wertvoll. Man wertet Körper weder auf noch ab (Body Shaming) und diskriminiert Menschen nicht aufgrund ihrer körperlicher Merkmale. Das Ziel der Body Positivity, die Akzeptanz und Wertschätzung einer Vielfalt von Körpertypen und -größen zu fördern, kann erklären, warum sie eine so große Anziehungskraft hat, denn es gibt Belege dafür, dass solche Botschaften positive Auswirkungen haben können. Heute wenden sich manche von der Body-Positivity-Bewegung und dem damit verbundenen Druck ab und unterstützen stattdessen die Bewegung der Körperneutralität, d.h., anstatt sich auf das physische Erscheinungsbild zu konzentrieren, ist Körperneutralität die Idee, dass man einfach existieren kann, ohne zu viel über seinen Körper nachdenken zu müssen. Auch im Hinblick auf diesen Aspekt könnte Body Neutrality unabhängig vom Geschlecht helfen, ein besseres Selbstverständnis für den eigenen Körper zu finden. Der Fokus sollte eher auf den Aspekt gelenkt werden, wie man sich im eigenen Körper fühlt bzw. welche Bedürfnisse und Funktionen dieser hat. 18

C

cis-gender/ cisgeschlechtlich

Person, bei der die Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Der Begriff wird zur Abgrenzung gegenüber dem Begriff trans Person verwendet. 7

Bei cisgeschlechtlichen Menschen entspricht die Geschlechtsidentität bzw. das innerlich und äußerlich gelebte Geschlecht dem Geschlecht, das ihnen bei ihrer Geburt auf Grundlage der gesellschaftlichen Einordnung ihrer Genitalien zugewiesen wurde. 8

Cis-Sexismus

Privilegierung von cisgeschlechtlichen Menschen gegenüber trans Menschen. Privilegierung von als cisgeschlechtlich konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern etc. gegenüber als trans konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern. Sie zeigt sich durch• Gewalt gegen und Abwertung bzw. Diskriminierung von trans Menschen auch durch Gewalt, Abwertung bzw. Diskriminierung gegenüber Körpern, Verhaltensweisen, Geschmäckern und Eigenschaften, die mit Transgeschlechtlichkeit assoziiert werden. Kontakte auf Augenhöhe zwischen cis und trans Menschen werden abgewertet oder erschwert (z.B. wenn gemischten Freund:innenschaften mit Misstrauen begegnet wird oder z.B. trans Menschen aus Bündnissen und/oder Räumen ausgeschlossen werden. 8

Colorism

beschreibt eine spezifische Diskriminierungsform, die Schwarze mit dunklem Hautton (dark-skinned) abwertet. Colorism folgt einer kolonialen Farbhierarchie von dunkel nach hell, also von dark-skinned über light-skinned bis weißgelesen. Dark-skinned Schwarze sind stärker von Rassismus betroffen und medial weit weniger sichtbar. 2

coming-out

Das coming-out, auch coming out of the closet genannt, bezieht sich auf Menschen abseits des binären Geschlechterspektrums und/oder abseits der Heteronormativität, die ihre Identifikation/Sexualität, vor Familie, Freund:innen, auf social media u.a. öffentlich machen, Da diesen Menschen immer noch mit Gewalt, Vorurteilen und Ausgrenzung begegnet wird, ist das coming-out keine Selbstverständlichkeit und sollte nur vollzogen werden, wenn die sichere Umgebung gegeben ist. 1

Critical Whiteness

Critical Whiteness, oder kritisches Weißsein, befasst sich mit der Reflexion über Privilegien, die aufgrund der Hautfarbe und ethnischer Herkunft bestehen, und zielt darauf ab, die Auswirkungen dieser Privilegien zu verstehen. Es erkennt an, dass Weißsein strukturelle Vorteile mit sich bringt und als Norm gilt, während Schwarze Menschen und People of Color oft als das „Andere“ betrachtet werden. Im Gegensatz zur herkömmlichen Rassismusforschung, die sich darauf konzentriert, warum bestimmte Gruppen diskriminiert werden, setzt Critical Whiteness den Fokus darauf, warum einige Gruppen ihrer Privilegien nicht bewusst sind und wie sich dies auf die gesamte Gesellschaft auswirkt. 3

D

Dekolonisierung

Der Begriff Dekolonisierung, oft auch Dekolonisation oder Entkolonialisierung genannt, steht für das Ende der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Herrschaft der Kolonisator:innen in den ehemaligen Kolonien. Die Dekolonisierung markiert somit die formale Auflösung der Kolonien, insbesondere in den Jahren von 1940 bis 1960. Zwar zeigt sich darin, dass der Begriff Dekolonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg virulent wurde, allerdings haben sich schon vor dem Ersten Weltkrieg Formen der Dekolonisierung abgezeichnet. Gleichzeitig ist unter Dekolonisierung auch der Befreiungsprozess der ehemaligen Kolonien von den Kolonialherr:innen zu verstehen. Mit dem Kampf nach Selbstbestimmung und Rechtsgleichheit haben die Menschen aus den Kolonien ihre politische Unabhängigkeit gefordert und erlangt. In der Philosophie und Kulturgeschichte wird der Begriff Dekolonisierung verwendet, um im weitesten Sinne alle Denkmuster, die den europäischen Kolonialismus und seine Nachwirkungen überwinden möchten, begrifflich fassen zu können. Dabei werden insbesondere koloniale Vorstellungen, durch die Afrika, Asien und der Nahe Osten als anders und minderwertig dargestellt wurden, hinterfragt und durch neue Bilder und Vorstellungen ersetzt. 3

Dethematisierung

bezieht sich auf das bewusste oder unbewusste Nicht-Anspechen oder Ignorieren von Rassismus und Diskriminierung. In Berufen wie der Medizin geschieht dies oft wegen Zeitdruck, Hierarchien und emotionaler Belastung.  Betroffene entscheiden sich manchmal aus Selbstschutz gegen die Thematisierung von Rassismus, obwohl dies auch belastend sein kann. Dethematisierung ist somit eine Strategie, um Ressourcen zu schonen, angesichts der Herausforderungen des Berufsalltags. Wenn von einer nicht betroffenen Perspektive aus dethematisiert wird, kann es bedeuten, dass Personen oder Institutionen, die selbst keinen Rassismus erfahren, das Thema ignorieren oder nicht als relevant wahrnehmen. Dies kann aus Bequemlichkeit, Unwissenheit oder dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden, geschehen. In Kontexten wie Studium und Beruf führt dies dazu, dass Rassismus nicht hinterfragt wird, da es für nicht Betroffene oft einfacher ist, die Problematik zu verdrängen oder als nicht prioritär zu betrachten. Dadurch werden rassistische Strukturen aufrechterhalten und Veränderungen erschwert. 4

Deutscher Diversity-Tag

ist ein Aktionstag zur Förderung von Diversität und Chancengleichheit in der Arbeitswelt. Er wurde 2012 von der Charta der Vielfalt initiiert und macht seitdem jährlich im Mai mit Aktionen, Workshops und Veranstaltungen auf Themen der vielfältigen Arbeitswelt aufmerksam, meist Ende Mai. 2

Deutungshoheit

Im politischen Kontext besagt die Deutungshoheit wer und wer nicht die Entscheidung darüber treffen darf, was -istisch (abgeleitet von -ismen, u.a. rassistisch, sexistisch, etc.), diskriminierend/problematisch und was es nicht ist. Grundsätzlich gilt: die Deutungshoheit gebührt den Betroffenen. Da marginalisierte Gruppen kein Kollektivgehirn haben, können Menschen der gleichen Gruppe bzw. Betroffene verschiedene Meinungen vertreten. Menschen, die dieser Gruppe nicht angehören bzw. nicht betroffen sind, steht es nicht zu „sich seine favorisierte Meinung“ heraus zu picken und damit mit anderen Betroffenen zu diskutieren 1

dey

Neopronomen: Im Englischen hat sich das «Singular they» als Neopronomen etabliert. Im Deutschen nutzen einige Menschen das eingedeutschte «dey». Er ist nicht universell für alle nicht-binären Personen, am besten stets direkt nach dem präferierten Pronomen einer Person fragen 7

Diätkultur

Diätkultur weist bestimmten Lebensstilen und Entscheidungen „Gutes“ zu, jeder der sich nicht so verhält ist schlecht. Wir bewerten Einschränkungen und alles, was als „Selbstkontrolle“ betrachtet wird, als Zeichen für einen starken Charakter und Gesundheit. Jeder, der nicht bestimmte „hype und superfoods“   isst, ist gesellschaftlich gesehen ein schlechterer Mensch. Diätkultur zeigt sich aber nicht nur durch moralisierende Lebensmittelauswahl. Es ist auch ein großes Anliegen, Körpern hierarchischen Wert zuzuweisen. So hat ein fetter Körper z.B. nicht so viel Wert wie ein dünner, immerhin kann ein fetter Körper ja nicht „gesund“   sein. Diätkultur ist nur ein soziales System, in dem Menschen ungerecht behandelt werden und diese überschneidet sich häufig mit Rassismus, Sexismus, Fettphobie, Ageism, Ableism und Klassismus. 1

Diaspora

Ein Begriff, der in Religion, sozialen Bewegungen, Wissenschaft und Politik zur Selbst- und Fremdbezeichnung verwendet wird. Gruppen, die sich in einer Region in der Minderheit befinden, gelten als Diaspora 14

Diskriminierung

Diskriminierung bezeichnet die ungerechtfertigte Benachteiligung oder Ungleichbehandlung von Personen oder Gruppen aufgrund bestimmter Merkmale wie ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Diese Merkmale sind im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) als schutzwürdig festgelegt. Diskriminierung kann sowohl direkt als auch indirekt erfolgen und manifestiert sich in verschiedenen Lebensbereichen, darunter Bildung, Arbeitswelt, Gesundheitsversorgung und Wohnungsmarkt. 6

Diskriminierung umfasst sowohl den Vorgang als auch das Ergebnis der Ausgrenzung und strukturellen Benachteiligung. Die Durchsetzung von Diskriminierung erfordert oft soziale, wirtschaftliche, politische oder diskursive Macht und kann sowohl individuelles Handeln als auch institutionelle Strukturen betreffen (nähere Ausführungen am Beispiel von Rassismus als eine Form von Diskriminierung) 3

In der Gesundheitsversorgung kann Diskriminierung dazu führen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen schlechteren Zugang zu medizinischen Leistungen haben, weniger angemessen behandelt werden oder ihre gesundheitlichen Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dies kann langfristig zu gesundheitlichen Ungleichheiten führen.

Diversität

bedeutet Vielfalt (engl.: Diversity) und beschreibt die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Merkmale hinsichtlich verschiedener Kategorien (wie z. B. Herkunft, Ethnizität, soziale Herkunft/Klasse, Sexualität, Behinderung etc.) haben. Auf diesen vielfältigen Merkmalen basieren strukturelle Ungleichheit und Diskriminierung. Diversitätsorientierte Arbeit erkennt die Vielfalt der Gesellschaft an und strebt danach, Diskriminierungen abzubauen und Chancengleichheit zu fördern. Der Ansatz entstand in der US-amerikanischen Schwarzen Bürgerbewegung der 1960er Jahre. 2

Aus diskriminierungskritischer Perspektive geht es nicht um die Suche nach Möglichkeiten der Verwertbarkeit von Menschen und das Ausschöpfen von Potentialen, sondern um den Abbau von struktureller Diskriminierung und die Akzeptanz von Verschiedenheit. In dieser Auffassung wird Diversität als Antwort auf strukturelle Diskriminierung verstanden. Den Referenzrahmen bilden die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Gewaltfreiheit. 19

Diversitätsbewusste Bildungsarbeit

konzentriert sich auf das Lernen über Differenzierung, Macht, Vorurteile und Diskriminierung, mit dem Ziel, die Vielfalt und Komplexität von Erfahrungen anzuerkennen. Dies erfordert die Reflexion eigener Vorurteile, um eindimensionale Ansichten zu überwinden und sich selbst und andere als komplexe Personen wahrzunehmen. Allerdings löst die Vermittlung von Diversität nicht automatisch Probleme, die aus einer homogenen Gesellschaftsvorstellung resultieren, daher sollte sie stets mit Antidiskriminierungsarbeit verbunden sein, um strukturelle Probleme anzugehen. 3

Diversitätskompetenz

umfasst professionelle Kompetenz im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt. Dazu gehört die Fähigkeit zur Selbstreflexion über persönliche Werte, Normen und die eigene soziokulturelle Prägung. Diversitätskompetenz beinhaltet auch die Fähigkeit zu Perspektivenwechsel und Empathie. Hintergrundwissen über die Bedarfe und Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichen Diversitätsmerkmalen (z.B. hohes Alter, Geschlecht, Behinderung etc.) und häufig vorkommenden Diskriminierungsrisiken in der Gesundheitsversorgung gehören ebenfalls dazu. Darüber hinaus braucht es Sensibilisierung für verschiedene Lebenswirklichkeiten, wobei Stereotypisierungen, Stigmatisierungen und Kulturalisierungen vermieden bzw. kritisch reflektiert werden sollten. Auch die Entwicklung von Ambiguitätstoleranz ist fundamental: Es auszuhalten, Aussagen und Verhalten meines Gegenübers (zunächst) nicht nachvollziehen zu können. Insgesamt ist es wichtig, sich in einer diversitätssensiblen Haltung zu üben durch Offenheit und einer möglichst voraussetzungsarmen, wertfreien Kommunikationspraxis. Entscheidend ist auch eine praktische Handlungskompetenz, um diskriminierenden bzw. rassistischen Verhaltensweisen und Konflikten im Berufsfeld angemessen zu begegnen: Wie kann ich reagieren, wenn ich beispielsweise beobachte, dass ein:e Kolleg:in sich diskriminierend gegenüber einer:m Patient:in äußert?

Diversitätskompetenz kann in Kursen beruflicher Fortbildung und in der Ausbildung von Gesundheitsberufen erworben und weiterentwickelt werden. Diversitätskompetenz kann dabei helfen, Missverständnisse im Klinikalltag zu verringern, Fehldiagnosen und Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, Gesundheitsleistungen zu verbessern und die Behandlungszufriedenheit von Patient:innen zu steigern. 20

Diversitätsmedizin, diversitätsorientierte Medizin

Diversitätsmedizin ist ein medizinischer Ansatz, der die Vielfalt der Patient:innen in Bezug auf verschiedene Diversitätskategorien wie z.B. Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, sozioökonomischen Status, Behinderungen sowie ihre Überschneidungen in Diagnostik, Therapie und Prävention berücksichtigt. Besonders zentral ist das Konzept der kontextbewussten Medizin, dass die medizinische Behandlung nicht isoliert betrachtet, sondern in den sozialen, kulturellen und ökonomischen Kontext der Patient:innen einbettet. Ziel ist es, die individuellen, medizinisch relevanten Merkmale zu charakterisieren, systematisieren und untersuchbar zu machen, um die Gesundheitsversorgung an die spezifischen Bedürfnisse unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen anzupassen und gesundheitliche Ungleichheiten zu reduzieren. Dies schließt die Berücksichtigung von Unterschieden in Krankheitsprävalenz, Symptomen, Diagnostik und Therapie ein, die durch diverse Faktoren beeinflusst werden können. Ein Beispiel für die Umsetzung dieses Ansatzes ist das Institut für Diversitätsmedizin an der Ruhr-Universität Bochum. 22

Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung

bedeutet, dass eine Organisation ihre Strukturen, Prozesse, Organisationkultur und Personalpolitik gezielt so weiterentwickelt, dass Vielfalt gefördert, wertgeschätzt und aktiv genutzt wird. Dabei geht es um eine systematische und strategische Veränderung, die Vielfalt als Ressource versteht und Ungleichheiten, Ausschlüsse und Diskriminierungserfahrungen für Mitarbeitende und Kund:innen/Klient:innen abbaut.

Es ist ein partizipativer Prozess, der Engagement, Lernbereitschaft und Veränderung auf allen Ebenen der Organisation erfordert, von Personalgewinnung, Leitungskompetenz, Weiterbildung bis hin zu Arbeitsbedingungen, Beteiligung an Entscheidungsprozessen und zum wertschätzenden Umgang mit Personal und Kund:innen/Klient:innen.

Die drei wichtigsten Prinzipien sind hierbei Partizipation, Reflexion und Langfristigkeit. 21

diversitätsorientiertes Krankenhaus

bezeichnet eine Klinik oder ein Krankenhaus, das Gesundheitsversorgungsangebote auf die Bedarfe und Bedürfnisse von durch gesellschaftliche Diversität geprägte Patient:innen und Angehörige abstimmt. Das dortige Gesundheitspersonal verfügt außerdem über Diversitätskompetenzen und eine diskriminierungskritische Haltung. Solch ein Krankenhaus verfügt z.B. über ein Sprachmittlungssystem, Patient:innenaufklärungsbögen in verschiedenen Sprachen, bietet ärztliche Konsultationen und Beratung in leichter Sprache an und achtet auf Barrierefreiheit, um Zugangsbarrieren abzubauen. Diversitätsorientierung verringert Missverständnisse im Klinikalltag, hilft Fehldiagnosen und Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, optimiert Gesundheitsleistungen und steigert die Behandlungszufriedenheit der Patient:innen. 20

Diversity Management

wurde in den USA entwickelt und strebt die bewusste Nutzung und Förderung der Vielfalt von Mitarbeiter:innen an, indem es nicht nur Toleranz, sondern auch eine positive Wertschätzung von Vielfalt betont. Es zielt darauf ab, eine produktive Arbeitsumgebung zu schaffen, Diskriminierung zu verhindern und gleiche Chancen für alle unabhängig von verschiedenen Merkmalen zu gewährleisten. 3

Dominanzgesellschaft

beschreibt komplexe Macht- und Herrschaftsstrukturen in einer Gesellschaft, in der Herrschen und Beherrschtwerden zentrale Ordnungskategorien sind. Im Gegensatz zu kolonialen oder faschistischen Systemen ist die Unterteilung in Unterdrückte und Unterdrückende nicht eindeutig, sondern verläuft entlang vieler verschiedener Differenzlinien wie Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität und sozialer Status. Dies führt zu einer Verschleierung bestehender Ungleichheiten und Diskriminierungen, während Normen und Alltagshandlungen Über- und Unterordnung festigen. Die Gesellschaft bekennt sich oberflächlich zu Gleichheit und Gleichwertigkeit, bleibt sich jedoch ihrer eigenen Hierarchien oft nicht bewusst oder ignoriert sie bewusst. 3

Duldung

Duldung heißt: Ausreisepflichtige dürfen vorübergehend in Deutschland bleiben, weil sie nicht abgeschoben werden können. Das liegt meist daran, dass sie keine Ausweisdokumente nachweisen können oder eine Krankheit haben, die im Herkunftsland nicht behandelt werden kann. Geduldete haben somit keinen gesicherten Aufenthalt Die Duldung ist befristet. Die Dauer wird von der zuständigen Ausländerbehörde je nach Fall und Belastung von der Behörde festgelegt. Nach dem Ablauf dieser Frist können Ausreisepflichtige eine weitere Duldung bekommen – dabei spricht man oft von „Kettenduldungen“  23

dyadisch

Menschen, die nicht intergeschlechtlich sind und deren Körper in die biologisch-medizinische Konstruktion von entweder ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ passt 8

Dysphorie/ Geschlechts-Dysphorie

In Bezug auf Geschlecht meint es ein Gefühl von Unwohlsein und Irritation bis hin zu dauerhaft anhaltendem potenziell traumatisierendem Schmerz. Körperliche (Geschlechts-)Dysphorie: wird ausgelöst, wenn eine Person ihren Körper als geschlechtsbezogen falsch empfindet. Soziale (Geschlechts-)Dysphorie: wird ausgelöst, wenn eine Person von anderen als ein für ihr Selbstverständnis falsches Geschlecht behandelt wird (z.B. durch Gebrauch eines für sie falschen Namens, falscher Pronomen oder Anreden, falscher Zuschreibungen etc.). Handlungen, die soziale Geschlechtsdysphorie auslösen, können, durch ihre über längere Zeit andauernde Häufung mittlere bis schwere Belastungen auslösen bis hin zu Traumata. Zu diesen Belastungen durch vermeintlich kleine Handlungen lässt sich einiges aus der psychologischen Forschung zu Microaggressionen lernen, in Bezug auf geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ist außerdem das Stichwort Minderheitenstress (minority stress) ein guter Startpunkt für weitere Recherchen. 8

E

Empowerment

Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Bürgerrechts- und Selbsthilfebewegung geprägt und beschreibt den Prozess der Selbstermächtigung benachteiligter Personen, um ihre Kräfte zu entwickeln und ihre Lebensumstände unabhängig von der Mehrheitsgesellschaft zu verbessern. Dies beinhaltet Strategien zur Erhöhung von Selbstbestimmung und Autonomie sowie die eigenständige Vertretung und Durchsetzung ihrer Interessen. Empowerment umfasst sowohl den individuellen Selbstermächtigungsprozess als auch professionelle Unterstützung, um Ressourcen und Gestaltungsspielräume zu nutzen. 3

Im Kontext des Projekts „Empowerment für Diversität“ bezieht sich der Begriff auf die Verstärkung und Umsetzung von diversitätsorientierten Kompetenzen und Versorgungsstrukturen in der Gesundheitsversorgung, die den Bedarfen und Bedürfnissen von Patient:innen und des Personals gerecht werden.

enby

Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, die sich also z.B. zwischen diesen beiden Geschlechtern verorten, oder ganz außerhalb davon, oder auch gar kein Geschlecht haben (agender). Manche nicht-binäre Menschen sind auch gleichzeitig männlich und weiblich (bigender) oder haben eine Geschlechtsidentität, die sich immer wieder ändert (genderfluid). Andere stellen sich gegen das binäre Geschlechtersystem und haben ein Geschlecht, das nichts mit Männlichkeit und Weiblichkeit zu tun hat (genderqueer). 24

endo/ endogeschlechtlich/ endosexuell

Menschen, die nicht intergeschlechtlich sind, deren Körper also auf den Ebenen von Chromosomen, äußeren und inneren Sexual-/Fortpflanzungsorganen und Hormonen in etwa in die biologisch-medizinische Konstruktion von entweder ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ passt. 8

Epistemische Gewalt

besteht, wenn westliche Wissenschaftler:innen vermeintliche oder tatsächliche Probleme von Menschen im Globalen Osten oder Süden analysieren und bearbeiten, ohne deren eigene Kategorien und Deutungen zu berücksichtigen oder ihnen die eigenen überzustülpen. Ein Beispiel dafür ist ein Gremium gegen Rassismus, das nur aus weißen Europäer:innen besteht und Lösungsansätze entwirft, ohne die von Rassismus Betroffenen einzubeziehen, was dazu führen kann, dass ihre Sicht der Welt durchgesetzt wird. Diese Form von Gewalt hat ihre Wurzeln im Kolonialismus, der die Menschen in den kolonialisierten Ländern als unveränderbar anders und implizit minderwertig definierte und so zur Rechtfertigung von Kolonialismus und Rassismus beitrug. 3

Epistemizid

Epistemik bezeichnet den Prozess des Erkennens, während „Epistemizid“ das systematische Auslöschen von Wissen bezeichnet, das als nicht gültig oder relevant angesehen wird. Boaventura de Sousa Santos betont, dass nur das Wissen, das nach den Kriterien der weißen, bürgerlichen Gesellschaft seit der Aufklärung geschaffen wurde, als wissenschaftlich gilt. Dieser Prozess begann mit der Kolonisierung und besteht bis heute fort. Er kritisiert zudem das eurozentrische Konzept von Fortschritt und Entwicklung, das andere Vorstellungen von einem guten Leben ignoriert und eine Anpassung an europäische oder nordamerikanische Standards voraussetzt, obwohl dies nicht nachhaltig sei. 3

Essentialisierung

bezeichnet die Betonung bestimmter Merkmale wie Hautfarbe oder Geschlecht, bei der eine Person auf ein einzelnes Merkmal reduziert wird, während andere Identitätsmerkmale ausgeblendet werden. Es wird angenommen, dass Menschen aufgrund dieser Merkmale eindeutig einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden können, wodurch diesen Gruppen ein überzeitliches Wesen zugeschrieben wird. Essentialisierungen können von außen auf eine Person oder Gruppe angewendet werden, was oft zu Ausschließungspraktiken führt, oder aber von der Person selbst angenommen wird. In beiden Fällen verstärken sie bestehende Vorurteile und Diskriminierungen. 3

Ethnie

Dieses Wort geht auf den altgriechischen Begriff „ethnos“ zurück und bedeutet „Volk, Volksstamm“. In der Ethnologie und anderen Sozialwissenschaften wird „Ethnie“ als eine abgrenzbare soziale Gruppe definiert, die sich in ihrer Selbstdefinition als Menschengruppe mit einem „Wir-Gefühl“ darstellt. Basis für dieses Selbstverständnis kann die gemeinsame Eigenbezeichnung sein, eine gemeinsame Geschichte, Kultur, Normen, Sprache und Verbindung zu einem bestimmten geografischen Gebiet. Die Selbstzuschreibung einer Gruppe als Ethnie ist entscheidend, obwohl ethnisierte Merkmale auch für Ausgrenzung und Diskriminierung genutzt werden können. 3

Beispiele von Ethnien sind Friesen (eine Bevölkerungsgruppe in Norddeutschland und den Niederlanden), Kurden (eine Volksgruppe mit dem Siedlungsgebiet „Kurdistan“, das sich über Teile der Türkei, Irak, Iran und Syrien erstreckt), oder Tamilen in Südindien und Sri Lanka. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive sind ethnische Gruppen / Ethnien sozial konstruiert. Das heißt, durch Selbstzuschreibungen und Fremdzuschreibungen entstehen kollektive Identitäten („Wir-Gruppen“), denen oft mehr Gemeinsamkeiten zugeschrieben werden, als sie tatsächlich miteinander teilen. Die ethnische Herkunft ist außerdem nicht deckungsgleich mit Staatsangehörigkeit oder Religionszugehörigkeit. 20

ethnische Herkunft

Ethnische Herkunft wird häufig als eine von mehreren Diversitätsdimensionen (wie Alter, Geschlecht, Behinderung etc.) genannt, durch die sich Menschen voneinander unterscheiden oder sich ähneln können. Der Begriff drückt aus, dass sich ein Mensch einer ethnischen Gruppe zugehörig und von ihr abstammend fühlen kann (Selbstdefinition). Wichtig ist aber auch zu beachten, dass „ethnische Herkunft“ von außen zugeschrieben werden kann: Beispielsweise definiert eine Person ihre ethnische Herkunft als Deutsch, wird aber von anderen Menschen aufgrund von äußeren Merkmalen als „Araber“ bezeichnet. Solch ein Akt von Fremdzuschreibung basiert häufig auf stereotypen Wahrnehmungen und rassistischen Zuschreibungen aufgrund der äußeren Erscheinung, Hautfarbe und/oder des Akzents. 20

Ethnizität

bezeichnet die individuell empfundene Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe, die durch gemeinsame Merkmale wie Sprache, Religion oder Traditionen charakterisiert ist. Dieses Konzept betont die subjektive Wahrnehmung gemeinsamer Abstammung und Kultur innerhalb einer Gruppe. Dabei werden kulturelle Elemente wie Sprache, Kleidung, Bräuche und Religion als identitätsstiftend angesehen. In der modernen Forschung wird Ethnizität oft als soziale Konstruktion betrachtet, die durch Selbst- und Fremdzuschreibungen entsteht und sich in spezifischen sozialen Kontexten manifestiert. 25

Ethnopluralismus

Der Begriff wurde von der Neuen Rechten in den 1970er Jahren geprägt und bezieht sich auf die Einteilung von Menschen in „Völker und Kulturen“ anstelle von „Rassen“. Diese Gruppen werden als statisch homogen mit einer einheitlichen Identität betrachtet und sollen getrennt bleiben, um Konflikte durch Vermischung zu verhindern. Das Konzept dient dazu, rassistische Argumentation zu verschleiern und sich vom biologistischen Rassismus abzugrenzen, obwohl implizit weiterhin biologische Vorstellungen von Identität vorhanden sind. 3

„Eugenik“

abgeleitet vom griechischen Wort „edel geboren“ beschreibt die Lehre zur Verbesserung des biologischen Erbguts des Menschen. Sie unterscheidet zwischen positiver Eugenik, die auf die Förderung erwünschter Bevölkerungsgruppen abzielt, und negativer Eugenik, die die Fortpflanzung unerwünschter Gruppen einschränkt. Das Konzept wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Francis Galton entwickelt und fand in verschiedenen Ländern Anwendung, darunter auch in Deutschland unter dem Begriff „Rassenhygiene besonders während der NS-Zeit, was zur Zwangssterilisation und Ermordung bestimmter Gruppen führte. Heute werden ähnliche Ideen oft unter anderen Bezeichnungen diskutiert. 3

Eurozentrismus

Das eurozentrische Weltbild betrachtet Ideen, Werte und Lebensweisen aus Europa und anderen westlichen Ländern als universell erstrebenswert. Es umfasst nicht nur geografische, sondern vor allem ideologische Prinzipien, die Technologie, Politik und Gesellschaftssysteme als fortschrittlich und zivilisiert ansehen. Eurozentristisches Verhalten zeichnet sich durch dominantes und missionarisches Verhalten gegenüber Menschen und Staaten aus, die (zugeschriebenerweise) andere Wertvorstellungen leben oder andere gesellschaftliche Systeme haben. Zudem beschreibt Eurozentrismus die Vorherrschaft von westlichen, weißen Perspektiven in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. 3

Exotisierung

ist eine Form des Othering (Anders-machen, Veranderung), die stereotype und hierarchische Vorstellungen über soziale Gruppen konstruiert. Dabei werden oft scheinbar positive Merkmale wie Naturverbundenheit, Sexualität, Körperlichkeit oder Emotionalität betont, um die Betroffenen als „anders“ und implizit „unzivilisiert“ darzustellen. Ähnlich wie negative Klischees dient auch Exotisierung dazu, die Identität und vermeintlichen Tugenden des westlichen Individuums, etwa Disziplin und Fleiß, zu bestätigen. Unerfüllte Bedürfnisse werden auf „die Anderen“ projiziert, was gesellschaftliche Strukturen stabilisiert, indem Aggressionen von der eigenen Gruppe abgeleitet werden. Exotisierung zeigt sich einerseits in einer scheinbar harmlosen Faszination für „das Fremde“ und andererseits im Genuss der konstruierten Andersartigkeit, wodurch gesellschaftliche Grenzen symbolisch überschritten werden. Romantisierte Darstellungen des „Orient“ in den „Geschichten von 1001 Nacht“ sowie die Darstellung „exotischer“ Länder als Reiseziel für Abenteuer:innen. 3

F

Farbenignoranz, „Farbenblindheit“

Der Begriff „Farbenblindheit“ im Kontext von Rassismus bezeichnet die Haltung, die „Hautfarbe“ einer Person nicht wahrzunehmen und zu glauben, dass sie in den Denkweisen und Handlungen keine Rolle spielt, mit dem Ziel, auf Gleichheit und Chancengleichheit hinzuweisen. Diese Perspektive wird jedoch kritisch betrachtet, da sie dazu führt, bestehenden Rassismus zu leugnen und strukturelle Ungerechtigkeiten zu ignorieren. Stattdessen werden weiße Privilegien oft als individuelle Leistungen interpretiert, während Stereotypen und Vorurteile gegenüber BIPoC weiterhin bestehen bleiben. Diese Haltung kann als Ablenkungsstrategie dienen, um institutionellen und strukturellen Rassismus zu umgehen und die Lebensrealitäten von BIPoC zu negieren. 3

„Farbig / Farbige“

ist eine koloniale Fremdbezeichnung, die Schwarze Menschen und People of Color als Abweichung von der weißen »Norm« betrachtet und eine vermeintliche Hautfarbe beschreibt. Als rassistische Bezeichnung wird sie von vielen deshalb ebenso abgelehnt, wie der Begriff Dunkelhäutige. Zudem meint »Farbige« im Deutschen nicht das Gleiche, wie mit den englischen Selbstbezeichnungen Black, Indigenous and People of Color (BIPoC) ausgesagt wird und ist deshalb nicht synonym verwendbar. 2

Fatshaming

Eine Subkategorie von Fettfeindlichkeit, speziell aber die öffentliche oder generelle Demütigung von fetten Menschen (z.B. „Das ist definitiv kein Bikinibody!“). Fatshaming kann, anders als Fettfeindlichkeit, jeden Menschen betreffen, z.B. durch ignorante Kommentare. Menschen, die Fatshaming erleben, erleben nicht automatisch Fettfeindlichkeit, sind also nicht gleich marginalisiert. 1

Feminismus

strebt nach einer Gesellschaft, in der Menschen, die als Frauen wahrgenommen werden auf allen Ebenen die gleichen Rechte, die gleiche Wertschätzung und die gleichen Chancen erhalten wie Männer. Dabei bezeichnet er sowohl eine politische und soziale Theorie, die gemachte Geschlechterdifferenzen und -ungerechtigkeiten in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt, als auch eine Soziale Bewegung, die für die Gleichstellung der Frauen und gegen das Patriarchat kämpft. Den Begriff Feminismus gibt es seit dem 19. Jahrhundert, als Frauen, die damals noch um das Wahlrecht und ihre Anerkennung als politische Subjekte kämpften, begannen, sich selbst als Feministinnen zu bezeichnen. Den Kampf gibt es allerdings schon länger; seit der Aufklärung und den Bürgerrechtsbewegungen, die Frauen von vornherein ausschlossen. Heute wird der Begriff auch abwertend benutzt, wenn Frauen weiterhin auf männliche Privilegien und Vormachtstellungen hinweisen. Es geht und ging allerdings nie darum, Männer zu beherrschen oder zu unterdrücken, sondern darum, für die Gleichwertigkeit der Geschlechter einzutreten, die in vielen gesellschaftlichen Bereichen immer noch nicht erreicht ist. 3

Fett

Das Wort fett ist im Mehrgewicht mit inbegriffen, allerdings sind nicht alle mehrgewichtigen Menschen fett. Das Wort hat keine exakte Definition und kann auch nicht anhand einer Kleidergröße festgelegt werden, da unterschiedliche Körpergrößen und Formen berücksichtigt werden müssen. Fett kann als Selbstbezeichnung fungieren, allerdings ist nicht jede Person, die sich als fett bezeichnet auch wirklich fett. Fett beschreibt eine Marginalisierung, insbesondere eine Schwermarginalisierung im Vergleich zu schlankeren mehrgewichtigen Personen. Menschen, die gesellschaftlich als fett angesehen werden, erleben oftmals diskriminierende Situationen, wie z.B. in der Gesundheitsversorgung: „Von Ärzt:innen wird man oft nicht ernst genommen, denn vieles wird kaum bis gar nicht untersucht und es wird auf das eigene Körpergewicht geschoben, sogar bei simplen Erkältungen. Die Dauerantwort ist dann meistens: Nimm ab, dann geht es weg“. 1

FLINT/FLINTA*/FINT

FLINT ist das Akronym für Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche/Inter, Nicht-binäre und trans Personen.

FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen.

FINT ist das Akronym für Frauen, Intergeschlechtliche, nicht-binäre und trans Personen. 7

Flucht

Flucht bezeichnet die unfreiwillige, erzwungene Migration, bei der Menschen ihr Heimatland aufgrund von Verfolgung oder Gefährdung verlassen müssen. Binnenflucht bezieht sich auf die Flucht innerhalb eines Landes. Laut internationalem Recht gilt als Flüchtling, wer aufgrund staatlicher Verfolgung (z.B. wegen Religion, Nationalität oder sozialer Zugehörigkeit) flieht oder keinen Schutz im Herkunftsland erwarten kann. Diese enge Definition wird oft kritisiert, da Menschen, die aufgrund von Armut oder Umweltkatastrophen fliehen, nicht als Flüchtlinge anerkannt werden und etwa als „Wirtschaftsmigration“ verharmlost. Begrifflichkeiten in diesem Themenfeld werden häufig genutzt, um die Migration von Menschen zu (de)legitimieren. Während z.B. bei Migration u.a. aus wirtschaftlichen Gründen innerhalb der EU von „Mobilität“ gesprochen und dieser Umstand positiv konnotiert wird, wird Migration aus wirtschaftlichen Gründen in die EU häufig als „Wirtschaftsflucht“ betitelt und damit implizit als ungerechtfertigt dargestellt. 3

„Flüchtling“

sind laut Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 Personen, die aus begründeter Furcht vor der Verfolgung ihrer Person wegen ihrer »Rasse«, Religion, Nationalität, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Überzeugung Schutz in einem anderen Land suchen. In amtlichen Statistiken gelten die Bezeichnungen Flüchtlinge und Asylberechtigte nur für Menschen, die schon Schutzstatus besitzen: Asylberechtigte werden nach dem Asylrecht im Grundgesetz anerkannt, Flüchtlingen wird Flüchtlingsschutz nach der Genfer Konvention gewährt. Sprachlich ist der Begriff »Flüchtling« umstritten. So sind Worte mit dem Ableitungssuffix »-ling« im Deutschen verkleinernd und teils negativ konnotiert (bspw. Eindringling, Schönling, Schädling etc.). Dazu kommt, dass der Begriff  kein Geschlecht hat und die Menschen außerdem auf einen kleinen Teil ihrer Biografie, also nur auf ihre Flucht, reduziert werden. Alternative Begriffe: Geflüchtete, Schutzsuchende oder ggf. Geschützte Personen . 2

Fremdbezeichnung

Fremdbezeichnung ist die Bezeichnung, mit der Personen und Gruppen auf der Grundlage vermeintlicher oder tatsächlicher Merkmale bzw. Zuschreibungen benannt werden. Fremdbezeichnungen sind häufig diskriminierend und reproduzieren beispielsweise rassistische oder klassistische Klischees. Um diskriminierungssensibel zu sprechen und zu schreiben, ist es ratsam, sich über die Selbstbezeichnung von Personen(-gruppen) zu informieren und sich mit den historischen Kontexten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auseinanderzusetzen. 26

Fremdenfeindlichkeit

ist ein sozialpsychologisches Konzept und wird als Dimension gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betrachtet. Es bezeichnet eine ablehnende Haltung und Verhaltensweise gegenüber Menschen, denen eine nicht-deutsche Nationalität oder Ethnizität, eine nicht-christliche Religion bzw. Sozialisation oder eine nicht-weiße Hautfarbe zugeschrieben wird oder die eine solche haben. Aufgrund dieser Eigenschaften und Merkmale werden die Betroffenen als „fremd“ und bedrohlich wahrgenommen, benachteiligt, angefeindet oder tätlich angegriffen. Aus rassismuskritischer Perspektive wird der Begriff kritisiert und es wird stattdessen von Rassismus gesprochen. Denn zum einen markiert der Begriff unabhängig davon, ob es sich bei den betroffenen Personen um deutsche Staatsangehörige handelt oder nicht, diese als „fremd“ und wiederholt dadurch den Ausschluss. Der Begriff legt den Fokus auf die individuelle Einstellung und bewusste feindselige Handlungen, während andere Formen von Rassismus ausgeblendet werden. 3

Fremdzuschreibung

sind Zuweisungen von Eigenschaften, sozialen Positionen oder Identitäten durch andere Personen oder Gruppen. Sie erfolgen entlang verschiedener Kategorien wie Ethnizität, Nation, Geschlecht oder Klasse. Diese Zuweisungen können diskriminierend sein, wenn sie mit Stereotypen und Vorurteilen verbunden sind oder im Widerspruch zur Selbstidentifikation einer Person stehen. Ein Beispiel dafür wäre, wenn Personen aufgrund ihres Aussehens als Migrant:innen betrachtet werden, obwohl sie keine Migrationsgeschichte haben. 3

G

Gadje-Rassismus

ist ein Begriff, den Romani-Aktivist:innen und -Wissenschaftler:innen vorgeschlagen haben, um die Bezeichnung „Antiziganismus“ zu ersetzen. Er hat u.a. den Vorteil, dass er keine homogene Gruppe der von ihm Betroffenen unterstellt, sondern den Blick auf die Mehrheitsgesellschaft und die Funktionen lenkt, die Gadje-Rassismus für sie erfüllt (Gadje bezeichnet im Romanes Nicht-Rom:nja, bedeutet aber auch Bauer, Mann, Mensch). Gadje-Rassismus ordnet Menschen aufgrund von phänotypischen, kulturellen oder sozialen Merkmalen, die als nahezu unveränderlich gelten, einer fremden, als dauerhaft anders betrachteten Gruppe zu. Diese Menschen werden dann durch abwertende Bezeichnungen und die Zuschreibung wesensfremder und normabweichender Eigenschaften und Verhaltensweisen stigmatisiert und in ihrer Identität homogenisiert. 3

Gaslighting

Gaslighting ist ein Begriff aus der Psychologie und beschreibt eine Form der psychischen Gewalt, bei der jemand bewusst die Selbstwahrnehmung einer anderen Person manipuliert und sie verunsichert, mit der Folge, dass sie im Laufe der Zeit nicht mehr zwischen Wahrheit und Schein unterscheiden kann. Das kann beispielsweise durch Lügen, Verdrehungen von Aussagen oder Unterstellungen geschehen, bis die betroffene Person irgendwann an sich und ihrer Wahrnehmung der Realität zweifelt. Für die ausübende Person geht es oft darum den anderen Menschen von sich emotional abhängig zu machen oder ihr eigenes Selbstwertgefühl zu erhöhen, indem das des Anderen erniedrigt wird. Im politischen Kontext beschreibt der Begriff eine Strategie politischer Akteur:innen, offensichtliche Lügen als Wahrheit darzustellen, um von Kritik an der eigenen Person abzulenken oder den/die Gegner:innen zu diskreditieren. Dies kann in einer Täter-Opfer-Umkehr resultieren. 3

„Gastarbeiter:in“

Das Wort sollte nur in einem historischen Kontext verwendet werden. Es beschreibt Personen, die ursprünglich für einen zeitlich begrenzten Aufenthalt für eine Erwerbstätigkeit in Deutschland angeworben wurden (1950er- bis 1970er-Jahre). Da viele seitdem dauerhaft in Deutschland leben, ist die Bezeichnung „Gast“ unzutreffend.

alternativer Begriff: Arbeitsmigrant:innen 27

Geflüchtete

wird als Alternativbegriff für Flüchtlinge verwendet, weil damit die als kleinmachend und teils abwertend empfundene Endung »-ling« umgangen wird und die Menschen als aktive Subjekte beschrieben werden. Da es sich um keinen juristischen Begriff handelt, ist er bei der Berichterstattung in vielen Fällen einsetzbar: geflüchtete Menschen können auch jene sein, die keinen offiziellen Flüchtlingsstatus haben. Allerdings richtet sich genau dagegen auch eine Kritik am Begriff: Flüchtling ist ein durch die Genfer Flüchtlingskonvention juristisch geschützter Begriff. Weitere Alternativen: Schutzsuchende, Exilierte, Asylsuchende, forced migrants, (ggf. Geschützte Personen) 2

„Geistige Behinderung“

Der Begriff «geistige Behinderung» ist momentan umstritten. Vielen gilt er nach wie vor als neutrale Bezeichnung für Menschen, die große Probleme mit dem Lernen und Schwierigkeiten haben, abstrakte Dinge schnell zu verstehen. Viele der so bezeichneten Menschen aber lehnen den Begriff „geistige Behinderung“ ab und nennen sich lieber Mensch mit Lernschwierigkeiten. 7

Gender

bezieht sich auf die sozialen und kulturellen Rollen, die einer Person basierend auf gesellschaftlichen Konventionen und Traditionen zugeschrieben werden. Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (sex) sind diese Rollen nicht naturgegeben, sondern werden gesellschaftlich konstruiert. Gender und biologisches Geschlecht beeinflussen sich gegenseitig und sind nicht klar voneinander abgrenzbar, da soziale Vorstellungen von Geschlecht auch die Wahrnehmung biologischer Merkmale beeinflussen und umgekehrt. 3

Gender Data Gap

bedeutet, dass viele wissenschaftliche Studien nur auf Männer ausgerichtet sind, obwohl Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Dadurch werden wichtige Unterschiede nicht berücksichtigt, was für Frauen gefährlich sein kann.

Beispielsweise werden Sicherheitsprüfungen oft an männlichen Dummies gemacht, was dazu führt, dass Frauen bei Unfällen ein höheres Risiko haben. Auch in der Medizin können Frauen wegen unterschiedlicher Symptome und unzureichender Tests falsche Diagnosen oder falsche Medikamentendosierungen erhalten. 29

Gender Health Gap

bezeichnet die systematische Ungleichheit in Gesundheit, Gesundheitsversorgung und Gesundheitsergebnissen zwischen den Geschlechtern. Frauen erleben weltweit schlechtere gesundheitliche Ergebnisse, haben weniger Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung und werden in der medizinischen Forschung häufig nicht gleichwertig berücksichtigt. Ungleichheiten äußern sich z.B. in Form von Diagnoseverzögerungen: Frauen werden bei bestimmten Krankheiten später oder weniger präzise diagnostiziert (z.B. Herzinfarkte, Autoimmunerkrankungen, chronische Schmerzen). Auch zeigen sich historisch bedingte Forschungslücken: medizinische Studien wurden überwiegend an männlichen Probanden durchgeführt. Bis heute sind Frauen in klinischen Studien unterrepräsentiert, was dazu führt, dass medizinisches Wissen oft auf männliche Körper bezogen ist. 30

Geschlechtssensible Medizin versucht, die Forschungslücke geschlechterspezifischer Unterschiede in der Gesundheit zu schließen und geschlechterspezifische Muster in der Entstehung, Diagnose sowie Bewältigung und Therapie von Erkrankungen genauer zu erfassen. Historisch bedingt ist die Datenbasis vor allem in Bezug auf das weibliche Geschlecht in vielen Bereichen unzureichend, wohingegen bestimmte Pathologien besonders gut an Frauen erforscht wurden. Relevante Untersuchungsaspekte für eine geschlechtsspezifische Gesundheitsförderung sind sowohl biologischer als auch sozialer Art. 31

genderfluid

eine Geschlechtsidentität, die zwischen verschiedenen Geschlechtern wechselt. Das kann situativ sein, vom Kontext oder den anwesenden Personen abhängen oder über längere Phasen wechseln. Genderfluid ist eine Variante nicht-binärer Identifikation. 8

Gendermedizin

ist ein Teilgebiet der Humanmedizin, das sich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Geschlechter in Bezug auf Gesundheit und Krankheit beschäftigt. Sie berücksichtigt sowohl das biologische Geschlecht (Sex) als auch das psychosoziale Geschlecht (Gender) und analysiert, wie diese Faktoren Gesundheit, Krankheitsentstehung, Diagnose und Behandlung beeinflussen. Ziel der Gender Medizin ist es, durch geschlechtsspezifische Ansätze die Lebensqualität zu verbessern und eine optimale medizinische Versorgung für alle Geschlechter sicherzustellen. Trotz der Fokussierung auf ein binäres Geschlechtermodell (Mann/Frau) werden auch die Wechselwirkungen zwischen biologischen und psychosozialen Aspekten untersucht. Ursprünglich aus der Frauenbewegung der 1960er Jahre entstanden, ist die Gender Medizin heute ein anerkanntes Fachgebiet, das maßgeblich zur Entwicklung einer geschlechtssensitiven Medizin beiträgt. 28

genderqueer

Das geschlechtliche Selbstverständnis „genderqueer“ beschreibt Identitäten, die weder eindeutig weiblich noch männlich sind, sondern dazwischen, jenseits dieser Kategorien oder situativ wechselnd empfunden werden. Früher ein geläufiger Überbegriff für Geschlechtsidentitäten jenseits der Zweigeschlechtlichkeit, wird heute häufiger „non-binary“ verwendet. Genderqueer ist mittlerweile teils mit einem äußeren Auftreten assoziiert, das Geschlechternormen sichtbar hinterfragt. In den 2000er Jahren war der Begriff in Deutschland besonders verbreitet, hat aber durch die zunehmende Verwendung von „non-binary“ an Bedeutung verloren oder seine Bedeutung in bestimmten Kontexten verändert. 8

Genfer Flüchtlingskonvention (GFK)

ist die wichtigste völkerrechtliche Vereinbarung darüber, wer als Flüchtling anerkannt wird und damit internationalen Schutz genießt. Das »Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge«, wie die GFK eigentlich heißt, wurde 1951 verabschiedet. Mittlerweile haben über 100 Staaten die GFK unterzeichnet, darunter auch Deutschland. Im deutschen Aufenthaltsrecht ist festgelegt, dass nicht abgeschoben werden darf, wer die Flüchtlingsdefinition der GFK erfüllt. 2

Geschlechtergerechte Sprache

Im deutschen Sprachraum wird nach wie vor das sogenannte generischen Maskulinum, also die männliche Form, angewandt. Damit erfährt jedoch die Mehrheit der Menschen keine explizite sprachliche Erwähnung. Zur Benennung von Frauen wurden schriftliche Variationen, wie z.B. das Binnen-I, eingeführt. Mit dem Unterstrich (auch Gender-Gap genannt), dem Asterisk (auch Gender-Sternchen genannt) oder dem Doppelpunkt werden auch nicht-binäre Personen berücksichtigt 7

Gewichtsdiskriminierung

äußert sich u.a. in Form von Beleidigungen, durch Förderung von Vorurteilen, Ausschluss und ungeeignete Ausstattung (z.B. in der medizinischen Behandlung). Gewichtsdiskriminierung wird häufig nur in Form von Beleidigungen in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Weniger offensichtlich ist Diskriminierung, die in das Gewand der Fürsorge gehüllt ist. So starteten im Jahr 2007 Union und SPD eine Kampagne mit dem klangvollen Namen „fit statt fett“, die Kinder und Jugendliche für einen nach Vorstellung von Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) gesünderen Lebensstil begeistern sollte – und diskriminierte.  Eine gesellschaftlich unbemerkte Form von Gewichtsdiskriminierung ist der Ausschluss, weil er selten öffentlich stattfindet. So werden dicke Menschen z.B. höflich beiseite genommen und bekommen mitgeteilt, dass sie nicht Organspender werden können oder dass man sie nicht in den Wanderchor aufnehmen möchte, weil man von einer unzureichenden Fitness ausgeht. Auch Fälle, wie das dicke Paar, das wegen seines Gewichts kein Kind adoptieren durfte, finden sich nur selten in der Presse, sind aber Teil der täglichen Realität. 32

Globale Gerechtigkeit

Der hohe Lebensstandard der westlichen Welt beruht oft auf der Ausbeutung anderer Regionen und hat globale Auswirkungen. Globale Gerechtigkeit erfordert, dass Gerechtigkeit über nationale Grenzen hinaus gedacht wird, etwa durch Verpflichtung europäischer Unternehmen zur Einhaltung von Menschenrechten, Mindestlöhnen sowie Arbeits- und Umweltstandards auch im Ausland. So könnte Globalisierung Vorteile für alle schaffen, anstatt nur für die Eliten im globalen Norden. 3

H

Hate Speech (dt. Hasssprache)

bezeichnet abwertende Äußerungen, die gezielt gegen bestimmte Personen oder Gruppen gerichtet sind. Diese Äußerungen können verschiedene Formen annehmen, darunter beleidigende oder bedrohliche Aussagen, die auf menschenfeindlichen Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus oder Heterosexismus basieren. Besonders in den Sozialen Medien ist Hate Speech weit verbreitet. 3

Hegemonie (dt. Vorherrschaft/Führung)

Hegemonie bezeichnet die Vorherrschaft oder die dominante Einflussnahme einer Institution, Organisation, sozialen Gruppe oder eines Staates über andere. Diese Dominanz kann sich in verschiedenen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Kultur oder Ideologie manifestieren. Geprägt wurde der Begriff vom marxistischen Theoretiker Antonio Gramsci, welcher Hegemonie als Fähigkeit der herrschenden Gruppe versteht, ihre Interessen so durchzusetzen, dass diese von den Beherrschten als allgemeingültig wahrgenommen wird. Dies legitimiert und stabilisiert bestehende Machtverhältnisse. Es wird zwischen drei Arten von Hegemonie unterschieden. Politische Hegemonie beschreibt die wirtschaftliche oder militärische Dominanz eines Staates über andere Länder. Kulturelle Hegemonie beschreibt die globale Durchsetzung bestimmter Werte, Normane oder Weltbilder, welche gesellschaftliche Vorstellungen prägen. Soziale Hegemonie beschreibt als selbstverständlich angesehene strukturelle Vorteile privilegierter Gruppen z.B. in Bezug auf ihre Hautfarbe oder ihr Geschlecht. In diesem Kontext wird auch diskutiert, dass beispielsweise weiße Menschen in hegemonial geprägten Gesellschaften keinen Rassismus im gleichen Sinne erleben können, da sie Teil der dominanten Gruppe sind und von bestehenden Machtstrukturen profitieren. 1 33 34

Heteronormativität

beschreibt die gesellschaftliche Norm, die eine ausschließliche binäre Geschlechtereinteilung und heterosexuelles Begehren als natürlich und unveränderbar betrachtet. Personen, die nicht dieser Norm entsprechen, werden oft diskriminiert; ein Phänomen, das als Heterosexismus bekannt ist. Heteronormativität ist eng mit Sexismus verbunden, da sie auch binäre Rollenbilder für Männer und Frauen perpetuiert. 3

Heterosexismus

ist die Diskriminierung von Personen, die nicht in das heteronormative Weltbild passen, sei es aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität oder Nichtkonformität mit Geschlechterklischees. Diese Diskriminierung basiert auf sexistischen Rollenbildern und kann sich in verschiedenen Formen zeigen, von verbaler oder physischer Gewalt bis hin zu struktureller Diskriminierung in Gesetzen und Institutionen. 3

hidden curriculum (dt. heimlicher Lehrplan)

bezieht sich auf die informellen und oft unbewussten Normen, Werte und Verhaltensmuster, die in der ärztlichen Ausbildung vermittelt werden, abseits des offiziellen Lehrplans. Diese inoffiziellen Inhalte sind entscheidend für die Entwicklung des ärztlichen Habitus, also des professionellen Selbstbildes und Verhaltens. Sie beeinflussen den Umgang mit Kolleg:innen und Patient:innen und sind stark von sozialen und institutionellen Strukturen geprägt. Der hidden curriculum umfasst somit die unterschwelligen Wissensbestände und sozialen Regeln, die durch Lehrmaterialien, Veranstaltungen und Praktika weitergegeben werden, und trägt wesentlich zur professionellen Sozialisierung und zum Selbstverständnis der Ärzt:innen bei. 4

Homofeindlichkeit

bezeichnet negative Einstellungen und Handlungen gegenüber Homosexuellen, die zu Diskriminierung und Gewalt führen können und oft auf einem heterosexistischen Weltbild basieren. Der Begriff Heterosexismus wird bevorzugt, da er den Fokus nicht nur auf Einstellungen legt, sondern auch die strukturelle Diskriminierung durch die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft und ihre Privilegien einschließt. 3

Homogenisierung

bezeichnet die Darstellung von Gruppen als einheitlich, wobei ihnen Heterogenität und Individualität abgesprochen wird. Dies kann dazu führen, dass z.B. Menschen mit Fluchterfahrung als homogene Gruppe betrachtet und für das Verhalten Einzelner kollektiv verantwortlich gemacht werden. Soziale Gruppen werden oft stereotypisiert, indem ihnen einheitliche Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben werden. 3

Homophobie

beschreibt negative Gefühle oder Feindseligkeit gegenüber Homosexualität, die oft zu Ablehnung oder Diskriminierung von LGBTIQ*-Personen führen. Die Begriffe Homofeindlichkeit bzw. Heterosexismus sind dem Ausdruck Homophobie vorzuziehen, da es sich nicht um eine klassische Angststörung handelt, wie das Wort vermuten lässt. Negative Einstellungen gegenüber Homosexuellen beruhen meist auf tradierten Vorstellungen heteronormativer Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von homosexuellen Menschen in Frage gestellt werden. Der Begriff beschränkt das Phänomen auf die individuelle Ebene und vernachlässigt den Kontext einer heteronormativen Gesellschaft und Kultur. 3

I

„I-Wort“

Ausgeschrieben: Ind*aner (*=i).

Die Fremdbezeichnung für die ersten Bewohner:innen Nord- und Südamerikas bzw. ist ein Fantasiekonstrukt, das durch Romane und Westernfilme aber auch durch Wörterbucheinträge geprägt wurde. Eigentlich beruht der Begriff auf einem Irrtum von Christopher Kolumbus: Als er 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Ostasien war und auf die Insel Ayití stieß, nahm er an, er wäre in Indien, und bezeichnete alle dort lebenden Menschen als „Ind*aner“. Dadurch, dass der Begriff bis heute weiter verwendet wird, wird einerseits dieser europäische Irrtum und sein kolonialer Kontext gerechtfertigt, andererseits wird so getan, als könnten alle unterschiedlichen Gesellschaften, die schon seit mindestens 12500 Jahren auf dem Kontinent lebten, einfach unter einem ausgedachten Begriff zusammengefasst und damit alle Selbstbezeichnungen der Menschen ignoriert werden. So wird den Erstbewohner:innen des Kontinents auch der Anspruch auf dessen Entdeckung abgesprochen, da ignoriert wird, dass Erstbewohner:innen auch vor der Ankunft von Kolumbus und der gewaltsamen Kolonisierung von Menschen und Ländern schon dort lebten und selbstgewählte Namen hatten. Stattdessen wird so getan, als ob die Geschichte der ersten Bewohner:innen erst mit der Ankunft der Europäer:innen beginnt. Der Begriff wird als Projektionsfläche für koloniale Fantasien genutzt, die in vielen (Kinder-)Filmen, Karnevalsverkleidung und Büchern ausgelebt werden. Auch in aktuellen Wörterbüchern (z.B. der Duden), die den Begriff erwähnen, werden angebliche körperliche Merkmale betont, die an biologistische ‘Rasse’vorstellungen anknüpfen. Es handelt sich also um ein koloniales Konstrukt und eine rassistische Bezeichnung, die unterschiedliche Gruppen künstlich zusammenfasst, also homogenisiert, und dafür eine rassistische Fremdbezeichnung verwendet, die auf einem europäischen Irrtum beruht. Deshalb sollte komplett auf den Begriff verzichtet werden, stattdessen können Eigenbezeichnungen der verschiedenen Gruppen benutzt werden. 35

Identität (individuelle)

In der Psychologie bedeutet Identität, dass man sich als einzigartiges Individuum erkennt und von anderen unterscheidet. Die Entwicklung der Identität ist ein lebenslanger Prozess, bei dem man sich immer wieder neu definiert. Dieser Prozess ist nicht gleichmäßig oder fest, sondern ändert sich je nach Situation und Lebensumständen. Welche Unterschiede für die Identität wichtig sind, hängt davon ab, welche gesellschaftlichen Normen und Bedingungen gerade als bedeutend gelten. 3

institutioneller Rassismus

bezeichnet die in den Strukturen und Abläufen von gesellschaftlichen Institutionen verankerte Diskriminierung bestimmter Gruppen. Diese Diskriminierung wird durch scheinbar neutrale Normen, bürokratische Strukturen und Gesetze aufrechterhalten, die bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen, ohne dass explizite rassistische Intentionen vorhanden sein müssen.

Ein Beispiel für institutionellen Rassismus in der Gesundheitsversorgung ist die ungleiche Behandlung von Patient:innen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft. Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte oder People of Color haben oft schlechteren Zugang zu medizinischen Dienstleistungen, müssen längere Wartezeiten ertragen und erhalten weniger Schmerzmedikation als weiße Patient:innen. Diese Ungleichheiten sind nicht unbedingt das Ergebnis individueller Vorurteile von Gesundheitsfachkräften, sondern können auf tief verwurzelte strukturelle und systemische Barrieren im Gesundheitssystem zurückgeführt werden. 4

Integration

Der Begriff beschreibt die Chancen der Teilhabe an zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie den Arbeitsmarkt, (Aus-)Bildungssystem oder Wohnungsmarkt. Im öffentlichen und politischen Diskurs allerdings wird er überwiegend auf Migration bzw. Migrant:innen bezogen. Häufig kommt der Begriff zum Einsatz, um Desintegrationstendenzen zu markieren oder aber um moralische Appelle zur Anpassung zu platzieren. Diese alltagsbezogene Begriffsbestimmung entspricht der Wortherkunft: Die Wortherkunft liegt im lateinischen Begriff integratio und bedeutet Wiederherstellung, Erneuerung, Ergänzung. Integration bezeichnet also einen Prozess, bei dem – auf verschiedenen Ebenen – durch Veränderung und Erneuerung Stabilität und Einheit immer wieder neu hergestellt werden. Der Begriff hat folglich in zweierlei Hinsicht eine dynamische Komponente: Er markiert eine Prozesshaftigkeit (und gerade kein ‚Fertigwerden‘) und er verweist auf eine Interdependenz (und gerade nicht auf eine Einseitigkeit bzw. ,,Einbahnstraße“). 14 25

Inter/ Intergeschlechtlich

Intergeschlechtliche Menschen haben von Geburt an einen Körper, der nicht der gängigen medizinischen Norm von «männlich» oder «weiblich» entspricht. Diese Variationen der Geschlechtsmerkmale können auf der anatomischen, chromosomalen oder hormonellen Ebene auftreten und sind gesunde Ausprägungen geschlechtlicher Vielfalt. Die Körper von inter* Menschen sind sehr unterschiedlich. Inter* Variationen können nicht nur bei der Geburt, sondern zu jedem Zeitpunkt im Leben sichtbar werden. Viele intergeschlechtliche Personen wissen nicht, dass sie intergeschlechtlich sind. Intersexualität wird als Begriff von den inter Communities zumeist abgelehnt, da er einen falschen Bezug auf die Sexualität macht und pathologisierend ist. Der Begriff wird durch Intergeschlechtlichkeit ersetzt. Einige Intergeschlechtliche lehnen auch den Begriff «Inter» ab und verwenden nur « ». 7

interkulturell

In diesem Wort kommen die beiden lateinischen Worte „inte“ und „cultura“ vor, die ausdrücken wollen, dass man zwischen zwei oder mehreren Kulturen vermitteln muss. In diesem Adjektiv zeigen sich einige problematische Vorannahmen: Zunächst wird vorausgesetzt, dass es mehrere Kulturen gibt, die abgetrennt voneinander existieren. Man geht von Kulturen als starren Einheiten aus, die meist auf nationale Grenzen bezogen werden. Außerdem nimmt man an, dass man mühsam Brücken bauen muss zwischen diesen starren Kulturen, wenn man sich gegenseitig verstehen will. Der Begriff → „transkulturell“ ist heute zeitgemäßer. Das Konzept der „Interkulturellen Kompetenz “ stellte in der Vergangenheit den Umgang mit „dem Fremden“ und die Wissensvermittlung über Normen, Werte und Verhaltensweisen verschiedener (nationaler) Kulturen ins Zentrum. „Transkulturelle Kompetenz“ dagegen betont eher eine persönliche Haltung von Offenheit, Erkennen von menschlichen Gemeinsamkeiten und das Mischen von kulturellen Werten und Normen in einer diversen Gesellschaft. Wenn man den alleinigen Fokus auf Kultur vermeiden möchte, ist → „diversitätsorientiert“ der angemessenere Begriff. 20

Interkulturelle Öffnung (IKÖ)

Der Begriff „Interkulturelle Öffnung“ (IKÖ) hat sich im Laufe der „Nuller Jahre“ (Zeitraum 2000 – 2010) entwickelt und wird häufig auch im Bereich des Gesundheitswesens in Deutschland verwendet. Gleichzeitig wurde der Begriff auch auf andere gesellschaftliche Schlüsselbereiche und deren Institutionen wie öffentliche Verwaltung, Arbeitsmarkt und Bildungswesen angewendet. Im Begriff „Interkulturelle Öffnung“ schwingt die Annahme mit, dass die Institutionen wichtiger gesellschaftlicher Bereiche Menschen mit Migrationsgeschichte verschlossen sind und sich erst für diese öffnen müssen. Es wurde also davon ausgegangen, dass große Zugangsbarrieren für Menschen mit Migrationsgeschichte als Nutzer:innen und als Mitarbeiter:innen in diesen Institutionen bestehen, die abgebaut werden müssen. Die Existenz der Zugangsbarrieren wurden primär damit erklärt, dass Menschen mit Migrationsgeschichte Informationsmängel in Bezug auf die Dienstleistungen, Angebote und rechtlichen Zugänge zu diesen Institutionen hätten und außerdem durch Kommunikationshürden vom Zugang zu diesen Institutionen ausgeschlossen blieben. Interkulturelle Öffnung (IKÖ) progagierte daher ein Set an Maßnahmen, um die Institutionen für Menschen mit Migrationsgeschichte als Nutzer:innen oder als Mitarbeiter:innen zu öffnen. Strategien der IKÖ umfassten z.B. die Übersetzung von Informationsmaterialien in verschiedene Sprachen, Einstellung von mehrsprachigem Personal, den Einsatz von Sprachmittler:innen und interkulturelle Kompetenztrainings für das Personal. Heute wird der Begriff „Interkulturelle Öffnung“ kritisiert, denn dabei wurde davon ausgegangen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte von kultureller Differenz geprägt und durch sie schlecht integrierbar seien 23

Das Problem wurde also in einer vermeintlichen kulturellen Andersartigkeit von Menschen verortet. Aufgrund der Kritik wurde der Begriff „Interkulturelle Öffnung“ inzwischen abgelöst durch „Diversity Management“ oder „diversitätsorientierte Organisationsentwicklung“ in Verwaltungen und in Institutionen des Arbeitsmarkts, des Bildungs- und Gesundheitswesens. 36

Im Zentrum steht jetzt der Abbau von Diskriminierung und Sprachhürden im Zugang zu den Dienstleistungen und Angeboten der Institutionen. Der Ball liegt bei den Institutionen, ein diskriminierungsarmes bzw. diskriminierungsfreies Umfeld für alle Nutzer:innen und Mitarbeiter:innen zu schaffen. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf Migration, sondern auf intersektionaler Vielfalt: Alle Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Genderidentitäten, religiöser bzw. weltanschaulicher Zugehörigkeiten, mit oder ohne Behinderungen, mit und ohne Migrationsgeschichte sollen diskriminierungsfrei behandelt werden und einen gleichen Zugang zu den Dienstleistungen, Angeboten und Arbeitsstellen der Institutionen in gesellschaftlichen Lebensbereichen haben. 20

internalisierter Rassismus

bezeichnet die unbewusste Übernahme und Verinnerlichung rassistischer Denkmuster durch die von Rassismus betroffenen Personen selbst. Das bedeutet, dass Menschen aus marginalisierten Gruppen negative Stereotype oder gesellschaftliche Vorurteile über ihre eigene Identität, Kultur oder Fähigkeiten übernehmen und als wahr akzeptieren. Dies führt dazu, dass Individuen negative Stereotype oder Vorurteile über die eigene ethnische Gruppe akzeptieren und in ihr Selbstbild integrieren. Diese Internalisierung kann sich in einem geringeren Selbstwertgefühl, Assimilationsdruck oder der Ablehnung der eigenen Herkunft äußern. 53

internalisierter Sexismus

bezeichnet die unbewusste Übernahme und Verinnerlichung sexistischer Normen, Rollenbilder und Vorurteile durch Frauen und weitere marginalisierte Geschlechter. Dabei akzeptieren und reproduzieren Betroffene stereotype Vorstellungen über Geschlechterrollen, die ihre eigene Gleichstellung beeinträchtigen können. 1

Internalisierung

von Rassismus-Erfahrungen, von Othering-Erfahrungen

Internalisierung bezeichnet den Prozess, bei dem externe Einflüsse, wie Normen, Werte oder Verhaltensweisen, von einer Person verinnerlicht und zu einem Teil ihrer eigenen Identität werden. Dabei erfolgt eine Aneignung und Integration dieser externen Einflüsse in das individuelle Denken, Fühlen und Handeln. Die Internalisierung kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden, beispielsweise auf der sozialen, kulturellen oder moralischen Ebene. Dieser Prozess der Internalisierung ist von großer Bedeutung für die Entwicklung einer Person, da er maßgeblich zur Bildung der eigenen Persönlichkeit und des individuellen Wertesystems beiträgt. Durch die Internalisierung werden externe Einflüsse zu inneren Überzeugungen und Handlungsmotiven, die das Verhalten einer Person beeinflussen. Dabei kann die Internalisierung sowohl bewusst als auch unbewusst erfolgen. 37

interpersoneller Rassismus

basiert auf Einstellungen und rassistischen Handlungen, die sich in der persönlichen Interaktion im Alltag ereignen Diese können sowohl offen als auch subtil zum Ausdruck kommen und reichen von offenen Formen wie roher Gewalt bis zu alltäglichen Mikroaggressionen gegenüber rassistisch markierten Personen. Interpersoneller Rassismus umfasst auch den internalisierten Rassismus, bei dem Betroffene selbst rassistische Überzeugungen verinnerlicht haben. 4

Interprofessionalität

Interprofessionalität wird im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung definiert als koordinierte  Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen, welche gemeinsam ein so genanntes  Knotenpunkt-Team bilden. Voraussetzung für einen optimalen Einsatz dieser gebündelten  Kompetenzen ist ein gegenseitiges Verständnis füreinander bei gleichzeitiger klarer Zuordnung der Zuständigkeiten. So entstehen Synergieeffekte, die Bündelung verschiedener Perspektiven sowie eine aus der Kooperation folgende Kompetenzerweiterung. Das oben definierte Knotenpunkt-Team, also das Kernteam aus Professionellen (in einem  Gesundheits- oder Sozialberuf Ausgebildeten), wird ergänzt/erweitert durch ein so genanntes Gesundheitsteam, in dem Ehrenamt und Selbsthilfe verortet sind. 38

Im interprofessionellen Zusammenarbeiten überschneiden sich die Kompetenzen der Berufe. Der Mehrwert interprofessioneller Gesundheits versorgung besteht in der Stärkung der Effizienz der Gesundheitsversorgung, Verkürzung von Klinikaufenthalten und Reduktion der Zahl der Konsultationen. Interprofessionelle Arbeit erhöht die Attraktivität und Zufriedenheit der Arbeit, verhindert frühzeitige Berufsabgänge und trägt zur Milderung des Fachkräftemangels bei. 39

Intersektionalität

Das feministische Konzept Intersektionalität beschreibt die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen und Ungleichheitsstrukturen. Sie macht deutlich, dass Benachteiligungen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern sich in ihrer Wirkung verstärken und überlagern. Geprägt wurde der Begriff von der US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw, die zur Veranschaulichung intersektionaler Wirkungsweisen das Bild einer Straßenkreuzung nutzte, um die gleichzeitig wirkende Mehrfachdiskriminierung zu verdeutlichen. Beispielsweise erlebt eine Schwarze queere Frau eine spezifische Form der Diskriminierung, die sowohl rassistische, homophobe als auch sexistische Aspekte umfasst, die sich jedoch nicht allein durch eine der Kategorien erklären lässt. Diese Formen der Unterdrückung und Benachteiligungen reihen sich nicht nur aneinander, sondern agieren in ihren Verschränkungen und Wechselwirkungen. Intersektionale Ansätze analysieren, wie verschiedene Dimensionen sozialer Ungleichheit – wie Ethnizität, Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität, Klasse, Alter oder Behinderung – miteinander verflochten sind, sich wechselseitig beeinflussen und gesellschaftliche Machtverhältnisse strukturieren. Dabei wird Mehrfachdiskriminierung systematisch berücksichtigt.  Intersektionalität wird sowohl in wissenschaftlichen als auch zunehmend in politischen Kontexten genutzt. 2 28 29

In Antidiskriminierungsrichtlinien und sozialpolitischen Debatten ist es essenziell, intersektionale Perspektiven mitzudenken, um komplexe Unterdrückungsmechanismen sichtbar zu machen und gerechtere Strukturen zu schaffen.  In der Gesundheitsversorgung bedeutet Intersektionalität, dass bestimmte Personengruppen mehrfachen, sich verstärkenden Benachteiligungen ausgesetzt sein können, was den Zugang zur Versorgung, die Behandlungsqualität und gesundheitliche Ergebnisse maßgeblich beeinflusst.

irreguläre Migrant:innen

Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen für Menschen, die ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland leben. Üblich ist die Bezeichnung „irreguläre Migranten“, da die Personen über keinen regulären Aufenthaltsstatus in Deutschland verfügen. In rechtlicher Hinsicht spricht man von „Menschen in aufenthaltsrechtlicher Illegalität“. Das sind alle Drittstaatsangehörigen ohne Aufenthaltsberechtigung. Grundsätzlich muss in Deutschland jede Person ohne deutsche Staatsbürgerschaft einen gültigen Aufenthaltstitel haben – etwa ein Visum, eine EU Blue Card, eine Aufenthaltsgestattung für Asylsuchende oder eine Duldung. 23

Islamfeindlichkeit

Islamfeindlichkeit ist ein sozialpsychologisches Konzept, das als Dimension Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) betrachtet und auch synonym mit dem Begriff „Muslimfeindlichkeit“ verwendet wird. Im Rahmen des GMF-Konzepts diente es bis ins Jahr 2014 dazu, eine ablehnende Haltung und Verhaltensweise gegenüber als muslimisch markierten Menschen zu bezeichnen. Dabei werden diese als homogene Gruppe konstruiert, der negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Diese Negativbilder können sich in Aussagen, Handlungen oder einer medial einseitigen Darstellung widerspiegeln und dazu führen, dass Betroffene diskriminiert, beleidigt oder tätlich angegriffen werden. Wie das Konzept der „Fremdenfeindlichkeit“ wird der Begriff der Islamfeindlichkeit aus rassismuskritischer Perspektive stark kritisiert, u.a. weil sich das Konzept ausschließlich auf der Einstellungsebene bewegt, unbewusste Diskriminierung und strukturelle Aspekte ausblendet und von einer grundsätzlichen gegebenen Differenz zwischen Muslim:innen und Nicht-Muslim:innen ausgeht, statt deren Herstellung zu analysieren. Daher wird stattdessen von antimuslimischem Rassismus gesprochen. 3

„Islamisierung“

Der Begriff „Islamisierung“ wird in westlichen Einwanderungsgesellschaften oft als Bedrohungsszenario verwendet. Er suggeriert, dass Muslim:innen durch hohe Geburtenraten, Migration und gesellschaftliche Einflussnahme eine schleichende oder gewaltsame Übernahme anstreben. Diese Vorstellung konstruiert den Islam als fremde Gefahr, die in eine vermeintlich homogene und intakte Gesellschaft eindringt. Solche Diskurse haben historische Wurzeln und wurden bereits während der europäischen Kolonialzeit und imperialen Expansion genutzt, um Ängste vor einer „Islamgefahr“ zu schüren. 14

Islamophobie

bezeichnet die generelle ablehnende Haltung des Islam und von tatsächlichen oder mutmaßlichen Muslim:innen. Daneben beschreibt Islamophobie auch die stereotypisierende Darstellung von Muslim:innen (u.a. auf islamfeindlichen Blogs) sowie diskriminierendes Verhalten gegenüber muslimischen Menschen bzw. solchen, die dafür gehalten werden. Es konstruiert Muslim:innen als homogene Gruppe mit negativen Eigenschaften, was zu Diskriminierung, Beleidigungen und sogar tätlichen Angriffen führen kann. Der Begriff steht in der Kritik, weil er durch die Endung -phobie auf eine Angst und somit auf eine Emotionalisierung des Themas fokussiert. Dabei lässt er außer Acht, dass es um Motive der Ausgrenzung und Abwertung geht. Unter anderem werden strukturelle Aspekte ignoriert und von einer inhärenten Differenz zwischen Muslim:innen und Nicht-Muslim:innen ausgegangen, anstatt ihre Entstehung zu analysieren. Daher wird vermehrt von antimuslimischem Rassismus gesprochen, um die strukturellen Dimensionen der Diskriminierung zu erfassen. 2

K

K-Wort

Auch K*n*ke oder K*n*x (*=a)  genannt. Kommt vom Wort „K*n*k*“für Mensch, welches von native hawaiians für das Neukaledonische Volk „K*n*k“ benutzt wurde. Dies wurde dann von deutschen Seefahrern bzw.aka Kolonialisten übernommen, um „gute Arbeiter:innen“ aus Polynesien/Ozeanien zu beschreiben. Später und bis zum heutigen Tag, wird das Wort allerdings als Schimpfwort für deutsche Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere für diese mit einem Migrationshintergrund im mittleren Osten, arabischen Ländern und der Türkei verwendet. Deswegen ist es gänzlich eine Beleidigung und obliegt nur Menschen mit diesem Hintergrund es zu benutzen. Das Wort, besonders mit x am Ende, wird heutzutage oft als Selbstbezeichnung verwendet und soll/ist empowernd. 1

Klassismus

bezeichnet die strukturelle Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres sozialen und ökonomischen Status (z.B. Arbeiter:innenklasse, arme Menschen). Laut der Studie “Menschenwürde ist Menschenrecht. Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2017” des Paritätischen Gesamtverbandes sind insbesondere folgende Menschen von Armut betroffen: Alleinerziehende, Jugendliche und junge Erwachsene, Migrant:innen, geflüchtete Menschen und Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer Beeinträchtigung, alte Menschen sowie arbeitslose Menschen. 19

Kolonialismus (lat. für Niederlassung, Ansiedelung)

beschreibt, dass europäische Kolonialmächte seit dem 15. Jh. Territorien anderer Kontinente eingenommen und eine Kolonialherrschaft errichtet haben. Viele Regionen und ihre Bewohner:innen wurden in Besitz genommen, ausgebeutet und verdrängt. Die kolonialisierte Bevölkerung in Afrika, Asien oder den Amerikas wurde unterdrückt, versklavt oder getötet. Legitimiert wurde dies mit pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorien und dem Glauben an die eigene kulturelle Überlegenheit. Eine einheitliche Definition von Kolonialismus ist ungenau, weil die Kolonialmächte unterschiedlich herrschten. Konkreter lassen sich beispielsweise der deutsche oder französische Kolonialismus fassen. Der Begriff Kolonialismus beschreibt außerdem historisch das Zeitalter des Kolonialismus, das mit Christoph Kolumbus 1492 begann und bis ins 20. Jh. reichte. Ab den 1950er Jahren setzte die sogenannte Dekolonialisierung ein, in der die kolonialisierten Nationen ihre Unabhängigkeit erkämpften. Kritiker:innen sprechen jedoch von einem bis heute wirksamen Neokolonialismus.  2

Zu Deutschlands kolonialem Erbe gehört u.a. der Genozid an den Herero und Nama in Namibia (1904-1908). Schätzungsweise bis zu 100.000 Menschen wurden durch die deutschen Truppen ermordet, verdursteten in der Omaheke-Wüste oder starben in Konzentrationslagern. Der Genozid gilt als der erste des 20. Jahrhunderts. 40

Konsens/ konsensuell

unterscheidet unter anderem Sex von sexualisierter Gewalt. Im Kontext von Sexualität bedeutet Konsens/Einvernehmlichkeit, dass alle Beteiligten einer sexuellen Handlung sich frei und informiert für diese entschieden haben und sie jederzeit abbrechen können (Widerrufbarkeit von Konsens). Vorbedingung von Konsens ist die Einwilligungsfähigkeit aller Beteiligten. Diese liegt beispielsweise bei Kindern gegenüber Erwachsenen (Abhängigkeits- und Machtgefälle) oder bei bewusstlosen Menschen nicht vor und kann u.a. von Abhängigkeitsverhältnissen, Alkohol und anderen Drogen etc. beeinträchtigt sein. Pädagogisch lohnt sich eine Beschäftigung mit verschiedenen Optionen, um Konsens herzustellen, sich über Konsens zu vergewissern und ihn zu entziehen. 8

Kultur

Es gibt zahlreiche Definitionen dazu. Der Begriff „Kultur“ geht auf das lateinische Verb colere zurück, das „pflegen“, „urbar machen“, „ausbilden“ bedeutet. Daraus entstand das Wort „agricultura“ (Ackerbau). Das lateinische „cultura“ bezeichnet im weitesten Sinn alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt (materielle sowie immaterielle Produkte), im Gegensatz zum Begriff ‚natura‘, der das Reich der Natur bezeichnet. Im Kontext unseres Glossars ist ein konstruktivistisches, bedeutungsorientiertes Kulturverständnis sinnvoll, wie es heute in der Ethnologie vertreten wird. Demnach wird Kultur als ein von Menschen hergestelltes Konstrukt von Werten, Normen, Denkformen, Bedeutungen und Verhaltensweisen verstanden. Kulturelle Bedeutungen werden symbolisiert durch Sprache, Bilder, Metaphern. Nicht nur künstlerische Ausdrucksformen oder sogenannte „Hochkultur“ fallen darunter, sondern auch Alltagskultur, soziale Praktiken oder Organisationsweisen gesellschaftlicher Institutionen. Kultur kann als kollektives Orientierungssystem menschlicher Gruppen in der Umwelt verstanden werden (Clifford Geertz, 1973). Wenn eine Gruppe von Menschen interagiert, entsteht Kultur. Somit besitzen nicht nur national begrenzte Gesellschaften Kultur, sondern auch Familien, Organisationen, Berufsgruppen etc. Der Charakter von Kultur ist nicht statisch, sondern dynamisch, wobei sich die Kultur verschiedener Gesellschaften, Subkulturen oder Berufsgruppen gegenseitig beeinflussen. Kultur gilt als in sich selbst heterogen. Das bedeutet, dass es innerhalb einer Gesellschaft oder Gruppe verschiedene Lebenswelten gibt, z.B. von Männern, Frauen, Altersgruppen, Berufsgruppen, gesellschaftlichen Schichten, Subkulturen, die sich durch spezifische Werte, Verhaltensnormen, Konventionen in der Kommunikation und Denkweisen etc. zeigen können. Nach dem hier dargestellten Kulturverständnis ist es zu vermeiden, Menschen in stereotype „Kulturschubladen“ einzuordnen. Stattdessen sollte jeder Mensch individuell und differenziert in seiner Persönlichkeit betrachtet werden. 20

Kulturalisierung

bezeichnet die Praxis, Kultur als zentrale Erklärung für individuelles Verhalten und Konflikte zu nutzen. Dabei werden Menschen oft sogenannte ethnische oder nationale Eigenheiten zugeschrieben. Dadurch werden Menschen auf eine angebliche kulturelle Zugehörigkeit reduziert, was ihre Vielfalt ignoriert und häufig auf Fremdzuschreibungen basiert. Durch Kulturalisierungen werden die Dichotomisierung (Zweiteilung) der Gesellschaft in Zugehörige („Wir“) und Nicht-Zugehörige („die Anderen“) verstärkt (Othering) und Stereotype und Zuschreibungen reproduziert. 3

Wenn Menschen nur durch eine „kulturelle Brille“ betrachtet werden, geraten andere wichtige Faktoren wie die individuelle Persönlichkeit, Bildungsgrad, sozio-ökonomische Lage, Alter, Sprachkenntnisse etc. aus dem Blickfeld. Auch ausgrenzende Strukturen der Gesamtgesellschaft und des Gesundheitssystems, vor allem auf institutioneller Ebene, müssen beachtet werden.

kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation)

Dieser Begriff beschreibt die Kritik an weißen Menschen, die kulturelle Errungenschaften von meist rassistisch diskriminierten Gruppen kopieren oder sich zu eigen machen, ohne dass diese diskriminierte Gruppe davon profitiert, z.B. weiße US-Amerikaner, die sich Jazz-Kompositionen von Schwarzen Musiker:innen zu eigen machten, ohne diese als Komponisten zu nennen. Als weiteres häufig genanntes Beispiel kultureller Aneignung wird angeführt, wenn weiße Menschen den Haarstil ,,Dreadlocks“ aus modischen Gründen tragen. Dreadlocks gelten als ein Symbol der antikolonialen Religion von Schwarzen Menschen der Rastafari-Bewegung. 2

kulturelle Kompetenz

basiert auf dem konstruktivistischen, dynamischen Kulturverständnis (siehe Kultur). Kultur wird also verstanden als ein Repertoire von im Lebensverlauf erlernten, veränderlichen Denk- und Handlungsweisen.

Das Konzept der kulturellen Kompetenz geht davon aus, dass wir Menschen alle verschiedenen Gruppen mit unterschiedlicher Kultur gleichzeitig angehören und uns darauf beziehen (z.B. Berufskultur, Organisationskultur, regionale Kultur etc.). Im Gesundheitswesen gibt es kulturelle Repertoires von Ärzt:innen, von Hebammen, von Pflegefachkräften, von dem Team einer bestimmten Station und es gibt Patient:innen mit ihren unterschiedlichen transkulturellen Bezügen und Repertoires. Kulturelle Kompetenz umfasst die Fähigkeit, die Gesundheits-, Krankheits- und Heilkonzepte der individuellen Patient:innen zu erfassen. Außerdem geht es darum, die Erwartungen  eines/r Patient:in an die medizinische Behandlung und Gesundheitsversorgung zu erfragen und welche Erwartungen gegenüber Ärzt:innen und anderen Gesundheitsberufen bestehen. Im Zentrum von kultureller Kompetenz steht die Anerkennung, dass menschliches Denken, Handeln und Verhalten durch Kultur, aber auch durch andere Faktoren beeinflusst wird wie sozio-ökonomischer Status, Bildung, gesellschaftliche Machtverhältnisse etc. Wie bei Diversitätskompetenz geht es auch bei kultureller Kompetenz um eine kritische Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Sozialisation und mit persönlichen soziokulturellen Prägungen, Stereotypen und Vorurteilen. Außerdem sollen mögliche Vorerfahrungen von Patient:innen mit Gesundheitsversorgung im In- und Ausland und etwaige Migrations- und Fluchterfahrungen beachtet werden. Nicht zuletzt soll das Gesundheitspersonal sensibilisiert sein für mögliche (Vor-)erfahrungen mit Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus von Patient:innen und Angehörigen, und für die Auswirkungen davon auf die Gesundheit. 41

Kulturelle Kompetenz kann dabei helfen, Missverständnisse im Klinikalltag zu verringern, Fehldiagnosen und Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, Gesundheitsleistungen zu verbessern und die Behandlungszufriedenheit von Patient:innen zu steigern.

„Kulturkreis“

Der Begriff stammt aus der sogenannten „Kulturkreislehre“ vom Ende des 19. Jahrhunderts. Darin wurden Kulturstereotypen und rassistische Vorstellungen über die Biologie von Menschen, von denen man sagte, dass sie in einem bestimmten geografischen Gebiet lebten, miteinander verschmolzen. Die Kulturkreislehre basierte auf rassistischen Vorstellungen über Kultur: Die sogenannten westlichen Gesellschaften wurden als höchste Stufe der menschlichen Entwicklung angesehen, während nicht-europäische Gesellschaften als unterentwickelt und minderwertig galten. Außerdem steckt hinter dem Wort „Kulturkreis“ ein Verständnis von Kultur als homogene, in sich abgeschlossene Einheiten. Nutzer:innen dieses Begriffs gehen meist davon aus, dass eine Region/ ein Territorium, ein Volk/ Ethnie und eine Kultur deckungsgleich sind. Aber der Begriff kann die komplexen soziokulturellen Vermischungen und gegenseitigen Einflüsse unserer globalisierten Welt nicht erklären. Der Begriff „Kulturkreis“ verleitet zu Stereotypisierung und Vereinfachungen. Er wird heute oft benutzt, um über (vermeintliche) kulturelle Unterschiede zu sprechen. Rechte Positionen können durch den Begriff des Kulturkreises argumentieren, dass z.B. ein Marokkaner nicht nach Deutschland passt, sondern in seinen eigenen Kulturkreis, also nach Marokko, zurückgehen soll. 42

kultursensibel

bedeutet, dass man verschiedene soziokulturelle Prägungen von Menschen beachten möchte. In der Gesundheitsversorgung könnte dies bedeuten, Patient:innen auf kultursensible Weise zu pflegen. Dies bedeutet jedoch in der Praxis oft, dass man von einem Kulturverständnis ausgeht, das statisch ist und von nationalen bzw. ethnisch getrennten Menschengruppen ausgeht. Dazu gehört auch die Annahme, dass man sich über die kulturellen Prägungen unterschiedlicher ethnischer oder nationaler Gruppen schlau machen muss, um diese korrekt zu behandeln. Dabei wird jedoch ignoriert, dass Menschen bestimmte kulturelle Eigenschaften oft von außen zugeschrieben werden und diese dadurch verandert / exotisiert werden (–> siehe Othering / Veranderung / Kulturalisierung). Indem Menschen primär durch die „kulturelle Brille“ gesehen werden, werden andere Einflüsse auf individuelle Bedürfnisse oder Verhalten ignoriert. Auch wird vergessen, dass Kultur dynamisch ist und sich Normen, Werte und Erwartungen im zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext verändern. 20

„Diversitätsorientiert“ ist ein geeigneterer Begriff, da er nicht kulturalisiert und gleichzeitig ausdrückt, dass man sich in der Gesundheitsversorgung bemüht, den Bedarfen und Bedürfnissen von unterschiedlichen Menschen Rechnung zu tragen.

kultursensibles Krankenhaus

Dieser Begriff bezieht sich auf ein Krankenhaus bzw. eine Einrichtung der Gesundheitsversorgung, die „interkulturell kompetent“ sein will (siehe interkulturelle Kompetenz). Im Fokus stehen Patient:innen und Angehörige, denen eine kulturelle Andersartigkeit zugeschrieben wird, der das Krankenhaus und das Gesundheitspersonal Rechnung tragen will, indem es z.B. Sprachmittlung anbietet, kulturgeprägte Krankheitsvorstellungen von Patient:innen beachten möchte und kultursensible Therapien anbieten will. Dieser Ansatz ist gut gemeint, birgt jedoch die Gefahr, dass Patient:innen einseitig durch eine kulturelle Brille betrachtet (siehe –> Kulturalisierung) und exotisiert werden (siehe –> Andersmachung / Othering). Da man heutzutage in Krankenhäusern verschiedenen Diskriminierungsrisiken aufgrund unterschiedlicher Diversitätsmerkmale (z.B. Alter, Genderidentität, sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft etc.) entgegentreten möchte, spricht man besser von diversitätsorientierten Krankenhäusern. 20 (siehe auch interkulturelle Öffnung versus diversitätsorientierte Organisationsentwicklung)

L

Latinx

(sprich: La-tí-nex) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen lateinamerikanischer Herkunft. Der Begriff hat sich als inklusive und geschlechtergerechte Alternative für Latino/ Latina im englischsprachigen Raum entwickelt. 2

Leitkultur

Leitkultur wurde als Begriff vom Göttinger Politologen Bassam Tibi geprägt, dem zufolge sich Menschen mit Migrationshintergrund in heterogenen Einwanderungsgesellschaften den herrschenden kulturellen Normen anzupassen hätten, ohne die eigene Kultur aufgeben zu müssen. Der Begriff wurde 2000 vom damaligen CDU-Generalsekretär Friedrich Merz übernommen, der bemängelte, es gebe keine deutsche Leitkultur mehr. Dabei ging es nicht um gemeinsame Werte, sondern um einen Katalog dessen, was Eingewanderte sich zu eigen machen sollten, wollten sie in Deutschland leben. 2024 wurde der Begriff in das Grundsatzprogramm der CDU aufgenommen. Im Zuge der Asyldebatte wird Leitkultur als Schlagwort in der bürgerlichen Mitte benutzt, kursiert aber auch unter Rechtsradikalen und -extremen. 2

Linguizismus

ist eine Form von Rassismus, die sich durch Vorurteile und Sanktionen gegen Menschen äußert, die eine bestimmte Sprache oder einen sprachlichen Akzent aufgrund ihrer Herkunft verwenden. Dabei dient Linguizismus als Mittel der Machtausübung, um soziale Hierarchien aufrechtzuerhalten. Die Sprache einer privilegierten Elite wird zur Norm erhoben, während die sprachlichen Merkmale sozial benachteiligter Gruppen abgewertet werden. Gesellschaftlicher Aufstieg wird an die Anpassung an diese Norm geknüpft, die jedoch oft durch fehlende Möglichkeiten zum Erwerb der Normsprache verhindert wird. Linguizismus zeigt sich in verdeckten Formen, etwa durch abwertende Witze oder die verspottende Darstellung bestimmter Sprachgebrauchsweisen, sowie in offenen Formen, beispielsweise durch Verbote, eine bestimmte Sprache in öffentlichen oder schulischen Kontexten zu sprechen. Solche Maßnahmen sind als rassistisch einzuordnen. 3

Lookismus

Lookismus bezeichnet Diskriminierung und Dominanz aufgrund gesellschaftlicher Schönheits- und Gesundheitsnormen. In unserer Gesellschaft gelten gutes Aussehen und ein gesunder Körper als entscheidend für Erfolg und Anerkennung. Diese Normen und Ideale, die kulturell und historisch variieren, werden häufig durch Werbung und Medien geprägt und festgelegt. Menschen, die von diesen Normen abweichen, erfahren oft psychische oder physische Angriffe und werden strukturell diskriminiert, etwa auf sozialer, institutioneller oder kultureller Ebene. Hinter Lookismus stehen häufig Vorstellungen von Leistung und Selbstoptimierung im Sinne wirtschaftlicher Verwertbarkeit. Parallelen finden sich bei Ableismus und Altersdiskriminierung. In der Geschichte des Rassismus wurden Schönheitsideale genutzt, um „Rassen“ zu hierarchisieren. Bis heute wird Schönheit oft implizit mit Weißsein assoziiert; eine rassistische Erbschaft, die in ehemals kolonisierten Gesellschaften fortwirkt und durch die kulturelle Hegemonie des Westens verstärkt wird. 3

LSBTI / LSBTIQ

Diese deutsche Abkürzung existiert in unterschiedlichen Buchstabengruppen. Das L steht für Lesben, das S für Schwule, das B für Bisexuelle, das T für transidente, transgender und transsexuelle (zusammengefasst auch: trans*-) Personen (daher oft auch als T* geschrieben), das I für Intersexuelle/Intergeschlechtliche (gelegentlich auch als I* geschrieben) und Q für queere Personen. Der Begriff queer wird in dieser Aufzählung häufig als Auffangkategorie für weitere von der Heteronormativität abweichende Geschlechterrollen, Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen gebraucht. Gelegentlich wird die Abkürzung um die Buchstaben A für Asexuell und Q für Questioning (wörtlich: fragend, etwa: auf der Suche nach einer Bezeichnung oder Ausprägung bezüglich der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität) zu LSBTIQAQ ergänzt. Im Englischen wird dementsprechend die Abkürzungen LGBTI/LGBTIQ(AQ) verwendet, bei der das G für Gay(s) steht. Die Abkürzung fasst Personen zusammen, die nicht der mehrheitlichen sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität entsprechen oder in Bezug auf diese Kategorien unsicher oder uneindeutig sind. 3

M

Machtkritik, machtkritisch

Machtkritik bezeichnet die kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Machtverhältnissen und deren Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen. Sie zielt darauf ab, unreflektierte Machtstrukturen zu analysieren und zu verändern, um Ungleichheit und Diskriminierung entgegenzuwirken. Ein zentraler Aspekt der Machtkritik ist die Selbstreflexion: Welche Machtverhältnisse privilegieren oder marginalisieren mich, und inwiefern bin ich aktiv oder passiv an Diskriminierung beteiligt? Machtkritik betont, dass unterschiedliche Machtverhältnisse miteinander verflochten sind und sich gegenseitig bedingen (siehe Intersektionalität). Macht wirkt strukturell und hat immer einen Einfluss auf individuelle Erfahrungen. 43

In der Gesundheitsversorgung zeigen sich Machtverhältnisse beispielhaft in der ungleichen Behandlung von Patient:innen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Sprachbarrieren, unbewusste Vorurteile und soziale Ungleichheiten führen oft zu schlechterer medizinischer Versorgung. Eine machtkritische Perspektive hinterfragt diese Strukturen und fordert Maßnahmen wie z.B. institutionalisierte Sprachmittlung, Sensibilisierungsschulungen für das Gesundheitspersonal und gesundheitspolitische Reformen, um Diskriminierung abzubauen und gleiche Gesundheitschancen für alle zu gewährleisten. 44

Male Gaze

beschreibt die Darstellung von Frauen in Medien aus der Perspektive heterosexueller Cis-Männer. Dies zeigt sich in der Sexualisierung weiblicher Körper, der Reduktion von Frauen auf passive oder ästhetische Rollen und der fehlenden eigenständigen Erzählperspektive. Auch Mode wird oft aus dieser Sicht beworben („Das wird ihm gefallen“). FLINTA-Personen und Femininität sind in Filmen und Serien selten positiv oder ohne Stereotype repräsentiert, sondern oft als „schwach“ oder „unselbstständig“. Zudem prägt der Male Gaze gesellschaftliche Erwartungen an Frauen und reproduziert stereotype Rollenbilder – etwa durch die Darstellung lesbischer Frauen als rein männliche Fantasieobjekte. 1

Marginalisierung, marginalisiert

bezeichnet die Verdrängung von Individuen oder Bevölkerungsgruppen an den Rand der Gesellschaft. Die Verdrängung kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen, also zum Beispiel geografisch, wirtschaftlich, sozial oder kulturell sein; meist spielt sie sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig ab. Marginalisierung findet in einem Machtgefüge statt und geht mit Diskriminierung einher: Je weiter am gesellschaftlichen Rand sich eine Gruppe befindet, desto weniger Macht hat sie und desto stärker ist sie gegenüber der gesellschaftlichen Mitte benachteiligt. Marginalisierung beinhaltet den Verlust von Ressourcen, Einflussmöglichkeiten sowie Status und kann sich auf die psychische und physische Gesundheit auswirken. Wenn es sich bei der marginalisierten Gruppe um eine Minderheit handelt, lässt sich im Fall der psychischen und physischen Folgen auch von Minderheitenstress sprechen. Aber Marginalisierung betrifft nicht nur Minderheiten. So wird in einer patriarchalen Gesellschaft Weiblichkeit marginalisiert, obwohl Frauen keine Minderheit sind. 15

Mehrfachdiskriminierung

liegt vor, wenn eine Person oder Gruppe auf Basis mehrerer verschiedener Diversitätsmerkmale diskriminiert wird, die sie entweder hat oder die ihr zugeschrieben werden (siehe Intersektionalität, Marginalisierung). 2

Mehrheitsgesellschaft

Der Begriff Mehrheitsgesellschaft bezeichnet denjenigen Teil einer Gesellschaft, der wegen der Größe seines Anteils an der Gesamtbevölkerung oder seiner Machtposition die kulturelle Norm eines Gemeinwesens definiert und repräsentiert. Angehörige der Mehrheitsgesellschaft sind gegenüber Minderheiten grundlegend privilegiert; sie besitzen eine allgemeine Definitions- und Deutungsmacht. Bei der Einteilung in Mehrheit und Minderheit können unterschiedliche Differenzlinien relevant (gemacht) werden. Jede Einteilung schafft aber eine symbolische Grenze und kann dazu führen, dass Gruppen als völlig gegensätzlich betrachtet werden (Dichotomisierung). Darüber hinaus ist solch eine Kategorisierung untrennbar mit Prozessen der Homogenisierung und Essentialisierung verbunden. Im Kontext von Machtverhältnissen sind jedoch nicht nur Mehrheits- und Minderheitenverhältnisse ausschlaggebend: So stellen z. B. Frauen, oder in bestimmten Altersgruppen auch Menschen of Color keine Minderheit dar, werden aber trotzdem benachteiligt oder diskriminiert. Sprachliche und konzeptuelle Versuche, diese Verhältnisse darzustellen, sind Begriffe wie Dominanzgesellschaft, minorisiert oder marginalisiert. (siehe auch Privilegien. 3

Menschenrecht auf Gesundheit

Gesundheit gilt als Menschenrecht und stellt einen existenziellen Lebensaspekt dar. Das Recht auf Gesundheit ist in Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte (Vereinte Nationen 1948) sowie in Artikel 12 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Generalversammlung der Vereinten Nationen 1966) verankert. Gemäß Artikel 12 Absatz 1 des Sozialpaktes erkennen die Vertragsstaaten das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit an. Deutschland hat den Sozialpakt 1973 ratifiziert. 4

Konkret bedeutet das Höchstmaß, dass allen Menschen im Krankheitsfall Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglicht werden muss. Darüber hinaus müssen gesundheitsförderliche Lebensbedingungen sichergestellt werden, die als „soziale Determinanten der Gesundheit“ zusammengefasst werden. Diese Bedingungen, so die Weltgesundheitsorganisation, werden durch die Verteilung von Geld, Macht und anderen Ressourcen auf globaler, nationaler sowie lokaler Ebene beeinflusst. 45

Um das Ziel der allgemeinen Gesundheitsversorgung zu verwirklichen, konzentriert sich die deutsche Entwicklungspolitik auf vier inhaltliche Schwerpunkte: die Stärkung von Gesundheitssystemen, die Reduzierung der Mütter- und Kindersterblichkeit, die Bekämpfung von HIV/ Aids und die Vorbeugung von übertragbaren Krankheiten und Epidemien. 46

Migrant:innen

werden vom Statistischen Bundesamt als Menschen definiert, die nicht auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik, sondern im Ausland geboren sind. Rund die Hälfte davon sind Deutsche, die andere Hälfte hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Diskurs wird dieser Begriff häufig irrtümlich als Synonym für Menschen mit Migrationshintergrund verwendet. Rechtsradikale und Rechtsextreme nutzen den Begriff »Migranten« anstatt von Geflüchteten zu sprechen. Damit soll suggeriert werden, dass Schutzsuchende nicht nach Deutschland fliehen, sondern aufgrund einer angeblich freien Entscheidung nach Deutschland kommen, also migrieren. 2

migrantisieren, Migrantisierung

geht mit Prozessen der Rassifizierung und Praxen der Andersmachung (Othering) einher, die Menschen zu Fremden machen und sie an einen Herkunftsort außerhalb Deutschlands bzw. Europas verweisen. Die Migrantisierung als Praxis der Dominanzgesellschaft muss jedoch von der Selbstbezeichnung als „migrantisch“ unterschieden werden, da diese als Eigenbenennung von Menschen gilt, die sich durch ihre (familiäre) Migrationsgeschichte definieren, definiert werden und/oder diese sichtbar machen möchten. 34

Migration

bezeichnet auf Dauer angelegte Wechsel des Wohnortes von Personen. Dabei kann es sich um Wanderungsbewegungen innerhalb eines Staatsgebietes (Binnenmigration) oder um eine Staatsgrenzen überschreitende Wanderungsbewegung handeln (internationale Migration). Es wird u.a. zwischen freiwilliger (z. B. Arbeitsmigration, Familienmigration, Altersmigration) und unfreiwilliger Migration (z. B. Flucht, Vertreibung, Sklaverei) unterschieden. Migration ist kein ausschließliches Phänomen der Moderne. Dass Menschen ihren Geburtsort oder das Geburtsland verlassen, gehört seit jeher zur Geschichte der Menschheit. 3

Migrationsgeschichte/ Fluchtgeschichte

bezeichnet Menschen, die selbst nach Deutschland eingewandert bzw. geflohen sind oder die Vorfahren haben, die nach Deutschland eingewandert bzw. geflohen sind. Um Letzteres kenntlich zu machen, wird häufig der Begriff „familiäre“ vorgesetzt.

Dabei ist der Begriff unabhängig von dem behördlich verwendeten Begriff „Migrationshintergrund“, der vom Statistischen Bundesamt definiert wird, und er kann über dessen Definition hinausgehen. Er kann sich z.B. auf Deutsche beziehen, deren Groß- oder Urgroßeltern nach Deutschland eingewandert sind und deren Eltern bereits als Deutsche geboren wurden.  48

Migrationsgesellschaft

wurde 2004 vom Bildungswissenschaftler Paul Mecheril im Kontext seiner Konzeption einer Migrationspädagogik geprägt. Er erweitert die traditionellen Begriffe wie „Einwanderungs- oder Zuwanderungsgesellschaft“, indem er nicht automatisch von Nationalstaaten als abgeschlossenen Bezugsgrößen ausgeht. Dies ermöglicht eine umfassendere Betrachtung historischer und aktueller Migrationsphänomene, einschließlich Pendelmigration. Zudem erfasst er spezifische Merkmale wie die Entstehung transnationaler sozialer Räume, Hybridität und die Herausbildung von Fremdheit sowie Alltagsrassismus in Migrationsgesellschaften. Der Begriff Migrationsgesellschaft unterliegt nicht dem Ziel, das Prinzip der Nationalstaaten weltweit zu festigen, sondern eröffnet Raum für eine differenzierte Analyse und Reflexion. 3

Migrationshintergrund

Der Begriff „Migrationshintergrund“ wurde bereits ab Ende der 1990er Jahre benutzt; im Jahr 2000 kam er beispielsweise in der englischen Ausgabe der PISA Studie als „migration background“ vor, um zwischen Schüler:innen, die selbst oder deren Eltern eine Migrationserfahrung haben, und „einheimischen“ („native“) Schüler:innen des untersuchten Landes zu unterscheiden (Kluge & Rau 2021). Mit dem Mikrozensus-Gesetz (2005) wurde die Kategorie „Migrationshintergrund“ in die Statistiken des Statistischen Bundesamts eingeführt, um Effekte von Migration über mehrere Generationen hinweg und die Entwicklung von Einbürgerungen analysieren zu können. In Statistiken wurde bis dahin nur zwischen „Ausländer:innen“ (ohne deutschen Pass) und „deutschen Staatsbürger:innen“ unterschieden. Aktuell definiert das Statistische Bundesamt „Menschen mit Migrationshintergrund“ folgendermaßen: „Eine Person hat dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist.“

Weiter umfasst diese Definition folgende Personengruppen:

  1. zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer;
  2. zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte (also mit deutscher Staatszugehörigkeit);
  3. (Spät-)Aussiedler (Nachkommen deutscher Auswanderer aus verschiedenen Ländern Osteuropas / der ehem. Sowjetunion);
  4. mit deutscher Staatsangehörigkeit geborene Nachkommen der drei zuvor genannten Gruppen (Statistisches Bundesamt, 2017).

Kluge & Rau (2021:32) betonen, dass nach dieser Definition Kinder deutscher Eltern, die im Ausland geboren wurden, keinen Migrationshintergrund besitzen und Vertriebene des zweiten Weltkriegs und deren Nachkommen ebenfalls nicht zu Menschen mit Migrationshintergrund gezählt werden. Sie weisen darauf hin, dass somit durch den Begriff „Migrationshintergrund“ alte, fragwürdige Vorstellungen von ethnischer Zugehörigkeit und Staatsangehörigkeit im Sinn des „ius sanguinis“ transportiert werden. Das „ius sanguinis“ (=Blutrecht) bezeichnet ein Abstammungsprinzip, nach dem ein Staat nur denjenigen Kindern die Staatszugehörigkeit erteilt, deren Eltern selbst Staatsbürger:innen dieses Staats sind. Im Nationalsozialismus wurde in Deutschland das „ius sanguinis “ in Form des Reichsbürgergesetzes so festgeschrieben, dass nur solche Personen Reichsbürger sein konnten, die „deutsches oder artverwandtes Blut“ hätten. Dagegen wurden Juden und Polen als Personen ohne dieses „deutsche Blut“ definiert, sodass das ius sanguinis Abstammungsprinzip für sie nicht mehr galt.

Gleichzeitig wird mit dem Begriff „Migrationshintergrund “ eine Unterscheidung zwischen „Wir“ und die „Anderen“, eine ethnische Andersmachung (siehe Othering) auf eine demografisch immer größer werdende Gruppe übergestülpt (Kluge & Rau 2021, S.32).

Weiterhin ist zu kritisieren, dass der Begriff „Migrationshintergrund“ nicht zwischen Menschen mit eigener Migrationserfahrung in der ersten Generation und Menschen unterscheidet, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, die selbst keine Migrationserfahrung haben. Der „Migrationshintergrund“ hat meist eine negative Konnotation im gesellschaftlichen Diskurs und wird oft mit Kriminalität, Armut und niedrigem Bildungsstand verknüpft. Außerdem köannen mit dieser schwammigen Kategorie keine Aussagen darüber gemacht werden, ob Menschen Rassismuserfahrungen machen oder nicht. 47

Alternative Begriffe:

z.B. Menschen mit (familiärer) Migrationsgeschichte: dieser Begriff umfasst sowohl Menschen mit eigener Migrationserfahrung als auch Menschen mit einer familiären Migrationsgeschichte, die selbst jedoch keine Migrationserfahrung gemacht haben,

Menschen aus eingewanderten Familien,

Menschen mit internationaler Geschichte.

Migrationspädagogik

wurde erstmals Anfang der 2000er Jahre vom Bildungswissenschaftler Paul Mecheril systematisch beschrieben und betrachtet das Verhältnis von Pädagogik und Migration kritisch. Im Gegensatz zu kulturalisierenden Ansätzen setzt sie kulturelle Differenzen nicht voraus, sondern hinterfragt deren vermeintliche Naturhaftigkeit und Unveränderlichkeit. Statt Differenzen als gegeben zu betrachten, analysiert sie sie als soziale Praktiken des Unterscheidens. Ihr Fokus liegt auf der Herstellung von Zugehörigkeitsordnungen innerhalb rassistischer Machtverhältnisse, die Menschen unterschiedlich positionieren und ihnen variierende Anerkennung sowie Handlungsmöglichkeiten zuweisen. Anstatt feste pädagogische Handlungsvorgaben zu formulieren, fordert die Migrationspädagogik eine kontinuierliche Reflexion dieser Prozesse. 3

Mikroaggressionen

Die regelmäßigen, vermeintlich kleinen diskriminierenden Übergriffe, denen Menschen in ihrem Alltag ausgesetzt werden. Eine alltagsrassistische, angeblich harmlos gemeinte Frage wie »Wo kommst Du wirklich her?« mag in ihrer Singularität nicht so schlimm erscheinen, jedoch summiert sie sich mit den anderen rassistischen oder diskriminierenden Interaktionen, die marginalisierte Menschen erfahren, auf. Alice Hasters beschreibt sie als »Mückenstiche« – ein einzelner kann harmlos wirken, aber in Summe werden sie sehr schmerzhaft. 2

„Mischling“

ist als Bezeichnung dem Tierreich entlehnt und beruht auf der Rassentheorie. Der rassistische Begriff sollte nicht auf Menschen übertragen werden. Ist die Information relevant, kann die Herkunft der Eltern konkret benannt werden. »Mischling« ist nicht gleichbedeutend mit mixed. 2

Misgendering/ Misgendern

Wenn man Menschen, meist non-binary, gender ambigious und/oder Transmenschen, mit den falschen Pronomen anspricht oder ihnen ein meist binäres Geschlecht zuschreibt, welches sie nicht sind. 1

Misogynie

bedeutet Frauenfeindlichkeit oder Frauenhass und ist, eine spezialisierte Art des Sexismus. Sie äußert sich z.B. in Form von offener und direkter Hass gegenüber weiblich gelesenen Menschen/FLINT*. 1

Mixed

ist eine Selbstbezeichnung für Menschen, die weiße und Schwarze Eltern oder Großeltern haben. Der Begriff mixed beschreibt Personen, die von weißen Privilegien der Eltern oder eigenen light-skinned Privilegien profitieren können, beispielsweise der deutschen Staatsangehörigkeit. Es ist falsch, mixed mit Mischling zu übersetzen. Die Debatte um die Bezeichnung von Menschen mit weißen und Schwarzen Eltern ist in Deutschland allerdings noch im Gange. 2

Morbus Aliorum

Die Bezeichnung „Morbus Aliorum“ – übersetzt als „Krankheit der Anderen“ – beschreibt die diskriminierende Praxis in der medizinischen Versorgung, bei der Personen, die nicht dem normativen Bild des weißen, männlichen Patienten entsprechen, häufig aufgrund von Vorurteilen und Stereotypen ein übertriebenes oder unangemessenes Schmerzempfinden zugeschrieben wird. Dieser Begriff hebt hervor, dass Menschen aus bestimmten Herkunftsregionen oder Frauen unabhängig von ihrer Herkunft vermehrt unter der Annahme leiden, ihre Beschwerden seien weniger ernst oder übertrieben. Der Begriff „Morbus Aliorum“ wurde eingeführt, um eine bisher nicht benannte Form der Diskriminierung zu beschreiben. Diese Diskriminierung äußert sich oft durch eine fehlerhafte medizinische Diagnostik und eine Benachteiligung in der Gesundheitsversorgung. Vorurteile und stereotype Annahmen, wie die übertriebenen Schmerzempfindungen bestimmter ethnischer Gruppen oder das stereotypisierte Bild von „Südländer:innen“, führen dazu, dass Betroffene nicht ernst genommen werden und in der Folge häufig den Arzt oder die Ärztin wechseln müssen. 4

„Morbus Bosporus“

„Morbus Bosporus“ bezeichnet eine diskriminierende Praxis in der medizinischen Diagnostik, bei der Menschen mit (zugeschriebener) Herkunft aus der Türkei aufgrund von Vorurteilen als besonders schmerzempfindlich oder übertrieben beschwerdefähig angesehen werden. Diese Praxis umfasst auch verwandte Begriffe wie „Morbus Mediterraneus“, „Ganzkörperschmerz“ und „ATW-Syndrom“ („Alles tut weh“), die implizieren, dass Patient:innen aus bestimmten geografischen Regionen oder mit Migrationshintergrund an einer übermäßigen Schmerzempfindlichkeit leiden. Diese diskriminierenden Diagnosen tragen zur Fehldiagnose sowie zu inadäquater medizinischer Versorgung bei und reflektieren tief verwurzelte stereotype Annahmen über den Schmerz von als „fremd“ wahrgenommenen Menschen. 4

„Morbus Mediterraneus“

bezeichnet eine diskriminierende Praxis in der medizinischen Diagnostik, bei der Menschen aus dem Mittelmeerraum aufgrund von Vorurteilen als besonders schmerzempfindlich oder übertrieben beschwerdefähig angesehen werden. Diese Praxis umfasst auch verwandte Begriffe wie „Morbus Bosporus“, „Ganzkörperschmerz“ und „ATW-Syndrom“ („Alles tut weh“), die implizieren, dass Patient:innen aus bestimmten geografischen Regionen oder mit Migrationshintergrund an einer übermäßigen Schmerzempfindlichkeit leiden. Diese diskriminierenden Diagnosen tragen zur Fehldiagnose sowie zu inadäquater medizinischer Versorgung bei und reflektieren tief verwurzelte stereotype Annahmen über den Schmerz von als „fremd“ wahrgenommenen Menschen. 4

„Moslem, Moslems“

ist eine veraltete und nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für Muslime, wird heutzutage zum Teil als Beschimpfung verwendet 27

Muslim, Muslima, Muslime

beschreibt Menschen mit Zugehörigkeit zur islamischen Religionsgemeinschaft. Häufig handelt es sich bei der Verwendung des Begriffs um eine Fremdzuschreibung, die auf äußerlichen Merkmalen beruht 27

N

N-Wort

ist ein kolonial-rassistischer Begriff für Schwarze Menschen. Im Sprachgebrauch findet er sich auch noch z.B. als N.-Kuss, vor allem aber als Alltagsbeleidigung. In (Kinder-)Literatur kommt er beispielsweise als N-Sklave oder N-König vor, wie in (älteren) Auflagen von Astrid Lindgrens Büchern. Die Abkürzung N-Wort dient dazu, den rassistischen Begriff nicht zu reproduzieren. Der Begriff sollte nicht ausgesprochen oder ausgeschrieben werden, da er nie neutral gemeint war, sondern in Rassentheorien sowie der Versklavung Schwarzer Menschen verwurzelt ist und Schwarze entwürdigt. Auch in Zitaten sollte darauf verzichtet werden oder eine Inhaltswarnung vorangestellt werden: »Wir zeigen ein Archiv-Stück, in dem rassistische Begriffe vorkommen. Sie können verletzend oder retraumatisierend sein«. Das N-Wort nicht auszuformulieren zeigt, dass die Bedürfnisse Betroffener im Publikum ernst genommen werden. 2

Neokolonialismus

bezeichnet fortwirkende oder neue Formen von Abhängigkeit und Ausbeutung nach dem Ende des formalen Kolonialismus. Demnach werden ehemals kolonisierte Gebiete heute mit neokolonialistischen Mitteln indirekt von ehemaligen Kolonialmächten beherrscht, u.a. durch finanzielle (z.B. durch Kredite), aber auch politische, technologische, militärische oder kulturelle Abhängigkeiten. 2

Neopronomen

sind Pronomen, die der Identifikation einer Person außerhalb des binären Geschlechtersystems dienen 49

Neorassismus

Laut dem französischen Rassismustheoretiker Étienne Balibar beschreibt der Neorassismus eine Form des Rassismus, bei dem nicht mehr die biologische Vererbung, sondern die Unaufhebbarkeit kultureller Differenzen im Vordergrund steht. Anstatt die Überlegenheit bestimmter Gruppen zu betonen, behauptet dieser Rassismus, dass die Vermischung von kulturellen Grenzen schädlich sei und dass verschiedene Lebensweisen und Traditionen unvereinbar sind. Der Neorassismus basiert auf der Vorstellung, dass die Menschheit in klar voneinander abgegrenzte, homogene Kulturen unterteilt ist, die als nahezu unveränderlich und an ein bestimmtes Territorium gebunden betrachtet werden. In dieser Sichtweise wird das Verhalten von Menschen als kulturell determiniert und ihre Zugehörigkeit zur Kultur als ausschlaggebend angesehen – „Kultur“ ersetzt in diesem Denken die biologische Kategorie „Rasse“. 3

Nicht-binär/non-binär

Wenn Menschen sich nicht oder nur teilweise in den Kategorien «Frau» oder «Mann» repräsentiert sehen, wird das auch «nicht binäres Geschlecht» oder «genderqueer» genannt. Die Begriffe fassen verschiedene Ausprägungen und Identitäten zusammen, beispielsweise «genderfluid» (das Geschlechtsempfinden ist fließend und verändert sich immer wieder), «agender» (jemand fühlt sich ohne Geschlecht), «bigender» (jemand fühlt sich zweigeschlechtlich). 7

O

Objektifizierung

Die Reduktion von insbesondere FLINT* auf deren körperliche Merkmale, meist immer mit sexuellem Fokus, oftmals wird dieser Mensch mit einem Objekt verglichen. Die betroffene Person wird also zum Objekt der Begierde bzw. zum Sexobjekt gemacht. Auch die globalen hohen Vergewaltigungsraten bzw. sexualisierte Gewalt/sexuelle Belästigung sind die Folgen von Objektifizierung, meist in Verbindung mit toxischer Maskulinität und -Ismen. Die Opfer sind nur dafür da, um zu „beglücken“ und zu befriedigen. Diese Sexualisierung ist so tief in unserer Gesellschaft verankert und so „normal“, dass es wortwörtlich Proteste von (meist Cis-het) Männern gibt, wenn ein weiblicher Charakter nicht sexualisiert wird, z.B. im Comic Genre. Oder eine Frau wird mit einem „geilen Gerät“ verglichen. 1

Oppression

Die systematische Unterdrückung von Menschen durch institutionelle und konstitutionelle Strukturen, Klassifizierungen, Genozid, Kolonialismus, systematische Diskriminierung etc. Systemische ungerechte und/oder grausame Ausübung von Autorität oder Macht gegenüber marginalisierten Menschen (z.B. wohnpolitischer Rassismus oder bei der Arbeitssuche). Dazu zählen -Ismen. Indem eine bestimmte Bevölkerungsgruppe eine andere dominiert (unterdrückt), um somit bestimmte Privilegien zu genießen. 1

Othering

oder zu deutsch „Andersmachung“ beschreibt einen Prozess, bei dem eine gesellschaftliche Gruppe ihr soziales Image über jenes von anderen Menschen stellt, indem sie ihnen Merkmale von (meist negativ bewerteter) Andersartigkeit und Fremdheit aufgrund von z.B. ethnischer und/oder nationaler Herkunft, Geschlechtszugehörigkeit, sexueller Identität/Orientierung etc. zuschreibt. Meist geschieht dies durch Vertreter:innen der Mehrheitsgesellschaft, die dadurch eine soziale Distanzierung zu den so definierten „Anderen“ herstellen. Auf Grundlage von „Wir“-„Ihr“-Konstruktionen wird das „Ihr“ als das vollkommen Andere betrachtet, weniger aufgeklärt, tolerant oder gebildet als das „Wir“. Dabei werden grundlegende Unterschiede hierarchisch bewertet, sei es negativ oder exotisierend positiv. Durch ständige Konfrontation mit diesen Zuschreibungen übernehmen Betroffene unbewusst diese Merkmale, verstärken das Vorurteil und bestätigen so den Prozess des „Othering“. 3

P

pansexuell/ panromantisch

bezeichnet eine sexuelle bzw. romantische Orientierung, die sich auf Menschen aller Geschlechter richtet bzw. andere Merkmale als das Geschlecht des Gegenübers für die Anziehung entscheidend findet. Die Abgrenzung von bisexuell/bi-romantisch ist fließend und wird selbst definiert. Anmerkung: Manche Menschen bevorzugen den Begriff ‚pan‘, weil er ‚übergreifend‘ meint, während ‚bi‘ sich ethymologisch auf ‚zwei‘ bezieht. 8

Partizipation

ist die aktive Einbeziehung von und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit relevanten Akteur:innen oder Gruppen. Es werden spezifische Lebenswelten und -bedingungen berücksichtigt. Zielgruppen werden zu Akteur:innen und Betroffene zu Expert::nnen. Partizipation führt zu Empowerment und nachhaltige und Adressat::nnen-gerechte Lösungen. 27

Patriarchat

beschreibt Gesellschaften, in denen Männer strukturell mehr Macht über Frauen ausüben können, während das Matriarchat das Gegenteil darstellt. Diese Strukturen betonen nicht unbedingt die direkte Beherrschung aller Frauen durch alle Männer, sondern vielmehr die strukturelle Dominanz von Männern über Frauen. Ein Beispiel dafür ist die unentlohnte Reproduktions- und Care-Arbeit, die hauptsächlich von Frauen übernommen wird, während Männer dominierende Positionen in Wirtschaft und Staat einnehmen. 3

People/Person of Colour (=PoC)

ist ein analytischer und politischer Begriff für Menschen und Communities, die in kolonialer Tradition rassifiziert und unterdrückt wurden bzw. werden. Er dient als aktive Selbstbezeichnung mit politischem Anspruch und soll die Spaltung rassifizierter Gruppen durch die weiße Dominanzgesellschaft unterlaufen. Diese Hierarchisierung schwächt die Solidarität unter Betroffenen und stabilisiert rassistische Strukturen. Der Begriff PoC ermöglicht es, gesellschaftliche Definitionsmacht zurückzugewinnen, verschiedene Rassismuserfahrungen sichtbar zu machen und solidarische Bündnisse zwischen marginalisierten Gruppen zu stärken. 3

Political Correctness

(auf Deutsch: politische Korrektheit) kurz: PC, entstand in den 1970er Jahren in den USA und bezeichnete die Forderung nach diskriminierungsfreier Sprache. Seit den 1990er Jahren wird der Begriff von Rechtsextremen, Rechtsradikalen und Rechtspopulist:innen strategisch umgedeutet und dient als politischer Kampfbegriff, um öffentlichkeitswirksam eine angebliche Meinungsdiktatur und Zensur zu behaupten. Ziel ist es, das Bestreben um diskriminierungskritische Sprache und Handlungen sowie differenzierte Berichterstattung zu diffamieren. 2

Porajmos

bezieht sich auf den Völkermord an Rom*nja und Sinti*zze während des Nationalsozialismus und bedeutet auf Deutsch „das große Verschlingen“. Etwa 25.000 von den rund 40.000 Sinti*zze und Rom*nja in Deutschland und Österreich wurden ermordet, während in ganz Europa die Zahl der systematisch verfolgten und getöteten Menschen dieser Gruppen auf bis zu einer halben Million geschätzt wird. Erst 1982 wurde die Verfolgung und Ermordung offiziell als Völkermord anerkannt, nach langjährigen Forderungen von Rom*nja und Sinti*zze. Einige Angehörige dieser Gruppen lehnen jedoch die Verwendung des Begriffs „Porajmos“ ab und verwenden stattdessen „Samudaripen“, was „komplette, ganze Ermordung“ bedeutet. 3

Postkolonialismus

Der Begriff bezeichnet die anhaltenden Auswirkungen und fortlaufenden Linien des Kolonialismus bis in die Gegenwart. Diese zeigen sich sowohl in politischen (wie Kriegen aufgrund willkürlicher Grenzziehungen und von westlichen Mächten eingesetzten Machthabern) als auch wirtschaftlichen (wie Ausbeutung und ungerechte Handelsverträge) Strukturen, die weiterhin postkoloniale Herrschaftsansprüche aufrechterhalten. Zudem wird es durch die vorherrschenden eurozentrischen und westlich orientierten Perspektiven in Wissenschaft, Kunst und Kultur deutlich, wodurch Menschen des globalen Südens selten Gehör finden und ihre Erfahrungen marginalisiert werden. Postkoloniale Theorien zielen darauf ab, die Kontinuität kolonialer Politik, insbesondere im Wirtschaftssystem, aufzudecken und einen breiteren, multiperspektivischen Zugang zur Geschichte, Wissenschaft und Kultur zu fördern, der nicht nur auf weißen und westlichen Perspektiven beruht. 3

postmigrantisch

Der Begriff postmigrantisch beschreibt eine Gesellschaft, in der Migration als prägendes Element anerkannt wird. Politische, kulturelle und soziale Veränderungen werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Ergebnis von Migrationsprozessen verstanden. Das Präfix „post“ betont, dass gesellschaftliche Aushandlungen nach der Migration stattfinden. Die Anpassung von Strukturen und Institutionen an die Migrationsrealität ermöglicht soziale Aufstiege, führt aber auch zu Abwehrreaktionen und Verteilungskämpfen. Fragen nach Zugehörigkeit, Identität und Chancengleichheit sind zentral, besonders für nachfolgende Generationen von Migrant:innen. In postmigrantischen Gesellschaften wie Deutschland steigt die Sichtbarkeit dieser Gruppen, was sowohl Teilhabe als auch Konflikte über gesellschaftliche Pluralität und Heterogenität fördert. 3

Power sharing

bedeutet, Macht und Privilegien bewusst zu teilen, um die Ungleichheiten in der Gesellschaft anzuerkennen und abzubauen. Dies umfasst die Nutzung von finanziellen Mitteln, Netzwerken und Wissen, um Plattformen für marginalisierte Personen zu schaffen oder sichere Räume anzubieten. Zentral ist dabei der Dialog mit den Betroffenen, um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu verstehen und entsprechend zu handeln. 3

Pride

Die Haltung gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber queeren Communities, um ihre Würde, Selbstliebe und Gleichberechtigung zu fördern, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen, Zusammenhalt und Bündnisse zu fördern und sexuelle Vielfalt und Geschlechtervielfalt zu feiern. Pride sollte aber nicht nur eine Feier sein, sondern daran erinnern, dass die erste Pride ein Aufstand und ein Protest war und dass Schwarze und Braune trans Frauen (z.B. Marsha P. Johnson und Silvia Rivera) diesen geführt und somit Pride und die Inklusion von nicht-weißen queeren Personen und Transmenschen revolutioniert haben. Es soll auch daran erinnern, dass Homonormativität und fehlende Intersektionalität, sowie -Ismen, immer noch ein Problem in der Community sind. 1

Privilegien

werden die Vorteile und (der Zugang zu den) Ressourcen genannt, die Menschen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Positionierung besitzen. Es gibt offensichtliche Privilegien, bspw. ist das Wahlrecht auf Bundes- und Landesebene in Deutschland ein Privileg von Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Auch mit dem sozioökonomischen Status gehen viele Privilegien einher, da es in fast allen Lebensbereichen wichtig ist, genügend Geld zur Verfügung zu haben. Doch Menschen können auch weniger offensichtliche Privilegien haben, die nicht mehr auffallen, da sie selbstverständlich geworden sind. Eines davon ist, im Alltag als „normal“ wahrgenommen zu werden (etwa als weiß, deutsch, eindeutig männlich/weiblich oder gesund) und so bei der Job- oder Wohnungssuche, in der Schule oder in der U-Bahn nicht mit stereotypen Zuschreibungen, verwehrten Zugängen oder diskriminierendem Verhalten rechnen zu müssen. Zu Privilegien gehört also auch sich gar nicht erst mit Diskriminierung und der damit einhergehenden Ungerechtigkeit beschäftigen zu müssen. 3

Q

Queer/Queerness

war ursprünglich abwertend und bezeichnete Personen, die von der gesellschaftlichen Norm der Heterosexualität abwichen. Doch durch positive Umdeutung wurde er von den Betroffenen selbst übernommen. Heute dient „queer“ als Oberbegriff für verschiedene nicht-heteronormative Identitäten und Lebensweisen, darunter Schwule, Lesben, Bisexuelle, trans*Personen und Inter*Menschen. Es wird auch als Selbstbezeichnung genutzt, um bewusst von der heteronormativen Gesellschaft abweichende Geschlechtsrollen, Identitäten oder Lebensweisen auszudrücken. Im Kontext des Queerfeminismus strebt die Queerbewegung die Dekonstruktion von Identitäten und Kategorien an. 3

Queerfeindlichkeit

Gewalt, Abwertung und Diskriminierung gegen queere Menschen oder Menschen, die für queer gehalten werden. Wird entsprechend einer der Verwendungen von queer oft als Oberbegriff für Homofeindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit, Lesbenfeindlichkeit, Bi-Feindlichkeit, Feindlichkeit gegen asexuelle und aromantische Menschen, Transfeindlichkeit und Inter*feindlichkeit verwendet. 8

R

race

Der Begriff wird oft fälschlich mit Rasse übersetzt. Der Begriff race hat im englischsprachigen Raum, besonders durch die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung, einen Bedeutungswandel vollzogen. Er beinhaltet das Wissen, dass es zwar keine Menschenrassen gibt, aber sehr wohl Rassismus aufgrund einer Kategorisierung in vermeintliche »Rassen«. Im Deutschen verweist der Begriff hingegen auf angeblich biologische Unterschiede, z. B. zwischen weißen und Schwarzen Menschen. Je nach Zusammenhang könnte von (Menschen mit) Rassismuserfahrungen, von Schwarzer Diaspora oder vom Schwarzsein die Rede sein. 2

race-based algorythms

sind medizinische Berechnungsmodelle, die die ethnische Zugehörigkeit als Faktor in klinische Entscheidungen einbeziehen. Sie basieren auf der Annahme, dass es biologisch relevante Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen gibt, die die Gesundheit beeinflussen. Ein Beispiel ist die Schätzung der Nierenfunktion (eGFR), bei der unterschiedliche Werte für Schwarze und weiße Menschen verwendet werden. Kritiker:innen argumentieren, dass diese Algorithmen soziale Konstrukte fälschlicherweise als biologische Unterschiede behandeln und somit zu rassistischen Ungleichheiten in der medizinischen Versorgung beitragen können. Sie fordern, solche Algorithmen zu überdenken und stattdessen evidenzbasierte Praktiken anzuwenden. 50

race-based medicine

bezeichnet medizinische Praktiken oder Entscheidungen, die auf der vermeintlichen biologischen Zugehörigkeit zu einer „Rasse“ basieren. Diese Konzepte gehen davon aus, dass es genetische Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen gibt, die gesundheitliche Unterschiede erklären. Dies kann dazu führen, dass bestimmte Medikamente oder Behandlungen einer „Rasse“ zugeschrieben oder unterschiedlich empfohlen werden, obwohl der biologische Rassenbegriff wissenschaftlich widerlegt ist. Stattdessen basieren viele dieser Unterschiede eher auf sozialen, ökonomischen und umweltbedingten Faktoren als auf genetischen Unterschieden. Ein Beispiel ist der Einsatz von Medikamenten, die spezifisch für Schwarze oder weiße Menschen entwickelt oder empfohlen werden, was kritisiert wird, da es soziale Konstrukte als Grundlage für biologische Annahmen nimmt. Diese Praxis kann zu einer Verstärkung von Vorurteilen und Ungleichheiten im Gesundheitssystem führen. 50

„Rasse“

Das Wort in Bezug auf Menschen fußt auf der Ideologie, dass es menschliche Rassen gibt – gibt es aber nicht. Es gibt nur Rassismus (siehe Rassismus).

Der Begriff ist seit dem Nationalsozialismus (»Rassengesetze«) ein Unwort in Deutschland, das im Sprachgebrauch nicht mehr üblich ist. Dennoch existiert es noch in zahlreichen Gesetzestexten wie dem Grundgesetz (»Niemand darf wegen … seiner Rasse … benachteiligt oder bevorzugt werden.«). Lange wurde in der Politik debattiert, den Begriff aus dem Grundgesetz zu streichen. Diese Bemühungen wurden jedoch 2024 eingestellt, u.a. wegen Einwände des Zentralrats der Juden und wegen mangelnder juristischer Alternativen. In der Berichterstattung taucht er mitunter auf, wenn Rassismus-Debatten aus den USA wiedergegeben werden. Doch Begriffe wie »Rassenunruhen« (race oder ethnic riots) oder »Rassenbeziehungen« (race relations) sollten nicht wortwörtlich übersetzt werden, weil der Begriff race in den USA anders als »Rasse« in Deutschland einen Bedeutungswandel durchlaufen hat. Alternativen wären auch Rassismus-Unruhen oder Unruhen wegen Rassismus-Vorwurf o.ä. 2

rassifiziert/ rassistisch markiert

bezeichnet Menschen, die in der Gesellschaft potentiell mit Rassismuserfahrungen konfrontiert sind. 51

Rassifizierung

bezeichnet einen Prozess und eine Struktur, in denen Menschen nach rassistischen Merkmalen (Aussehen, Lebensformen oder imaginäre Merkmale) kategorisiert, stereotypisiert und hierarchisiert werden. In diesem Prozess wird ein rassifiziertes Wissen erstellt und die Struktur beruht auf diesem Wissen. 7

Rassismus

ist ein gesellschaftliches Machtverhältnis, das über individuelle Vorurteile hinausgeht und tief in soziale Strukturen eingebettet ist. Er beschreibt eine Ideologie und Praxis, durch die Menschen in Gruppen eingeteilt, stereotypisiert und hierarchisiert werden, um gesellschaftliche Ungleichheiten zu legitimieren und aufrechtzuerhalten. Dabei werden vier zentrale Mechanismen unterschieden:

  1. Kategorisierung: Menschen werden anhand äußerlicher Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Kultur oder Religion in Gruppen eingeteilt. Diese Einteilung basiert nicht auf objektiven Unterschieden, sondern auf gesellschaftlichen Vorstellungen und Machtverhältnissen.
  2. Generalisierung (Rassifizierung): Den Gruppen werden verallgemeinerte, angeblich unveränderbare Eigenschaften zugeschrieben. Dadurch werden individuelle Unterschiede innerhalb einer Gruppe ignoriert und Menschen auf stereotype Merkmale reduziert.
  3. Hierarchisierung: Diese Gruppen werden bewertet und in eine soziale Rangordnung eingeordnet. Dabei werden bestimmte Gruppen privilegiert, während andere als minderwertig oder bedrohlich dargestellt werden. Diese Hierarchien beeinflussen die gesellschaftliche Wahrnehmung und den Zugang zu Ressourcen und Rechten.
  4. Legitimierung: Die bestehenden Ungleichheiten und Machtverhältnisse werden als natürlich oder unvermeidbar dargestellt, um sie zu rechtfertigen. Dies geschieht durch gesellschaftliche Normen, Institutionen oder Gesetze, die rassistische Strukturen fortführen, selbst wenn keine explizite Absicht zur Diskriminierung vorliegt

Rassismus existiert in unterschiedlichen Formen und äußert sich je nach Gruppe, historischem Kontext und gesellschaftlichen Strukturen unterschiedlich. Beispiele für spezifische Formen von Rassismus sind antischwarzer Rassismus, antiasiatischer Rassismus, antimuslimischer Rassismus, antislawischer Rassismus. 51

Rassismus als soziale und strukturelle Determinante von Gesundheit

Rassismus als soziale Determinante von Gesundheit bezieht sich auf die direkten Auswirkungen, die rassistische Diskriminierung auf die körperliche und psychische Gesundheit hat. Personen, die rassistische Diskriminierung erfahren, leiden häufig unter einem beeinträchtigten Gesundheitszustand, was sich in einer höheren Anfälligkeit für chronische Erkrankungen und psychische Belastungen äußern kann. Rassismus manifestiert sich in verschiedenen Formen, wie zum Beispiel durch soziale Ausgrenzung, Mikroaggressionen oder ungleichen Zugang zu Gesundheitsdiensten. Diese individuellen Erfahrungen führen zu spezifischen Gesundheitsrisiken, die über soziale Determinanten hinausgehen, da sie oft systematisch durch gesellschaftliche Vorurteile und Diskriminierung verstärkt werden.

Strukturelle Determinanten hingegen beschreiben die breiteren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, die Gesundheit beeinflussen, wie Bildung, Einkommensverteilung, Wohnsituation und Arbeitsbedingungen. Diese Faktoren beeinflussen, ob und in welcher Weise bestimmte Bevölkerungsgruppen Zugang zu wichtigen Ressourcen wie medizinischer Versorgung oder gesunden Lebensbedingungen erhalten. Strukturelle Determinanten sind oft tief in den institutionellen Rahmen einer Gesellschaft eingebettet und beziehen sich auf systematische Ungleichheiten, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen betreffen. 4

Rassismuskritik

bezeichnet eine Haltung und Perspektive, die aktiv gegen Rassismus arbeitet und die Gesellschaft als Ganzes in den Blick nimmt, anstatt das Problem nur bei Einzelpersonen zu suchen. Diese Perspektive untersucht, wie Rassismus Identitäten, Handlungen und Chancen auf individueller sowie auf Gruppen- und Institutionsebene beeinflusst. Sie beinhaltet eine macht- und selbstreflexive Betrachtung, die bestehende Institutionen, Debatten und Regeln kritisch hinterfragt. Rassismuskritik sucht nach Selbstverständnissen und Handlungsweisen, die weniger Gewalt erzeugen, und zielt darauf ab, gegen bestehende rassistische Strukturen zu arbeiten und kontinuierlich das eigene Verhalten und Gewohnheiten zu hinterfragen. 52

Rassismuskritik in der Medizin bedeutet, medizinische Strukturen, Praktiken und Wissensbestände kritisch zu hinterfragen, um rassistische Vorannahmen, Diskriminierung und Ungleichheiten im Gesundheitssystem aufzudecken und zu bekämpfen.

Hierzu gehören z.B. historische und strukturelle Dimensionen: Medizinische Forschung und Praxis haben historisch rassistische Theorien gestützt, z. B. durch sogenannte „Rassenmedizin“ oder koloniale Experimente. Diese biologistischen Konzepte wirken bis heute in unseren Wissensbeständen nach.

Rechtsextremismus

ist ein Sammelbegriff für neofaschistische, demokratie- und verfassungsfeindliche Ideologien. Im Gegensatz zum Rechtsradikalismus, der sich noch innerhalb der verfassungsmäßigen Ordnung bewegt, gilt Rechtsextremismus als eindeutig verfassungsfeindlich. Rechtsextremistische Einstellungen äußern sich unter anderem durch Nationalismus, antisemitische Grundhaltungen, die Befürwortung autoritärer Herrschaftsformen (wie Diktaturen), die Ablehnung ethnischer und religiöser Minderheiten sowie die Verharmlosung des Nationalsozialismus. 23

Rechtspopulismus

Als Populismus wird grundsätzlich ein Politikstil bezeichnet, der mit groben Feindbildern operiert und einfache, meist autoritäre Lösungen vorschlägt. Die Bevölkerung wird dabei in ein „Wir“ und „die Anderen“ aufgeteilt. Das „Wir“ wird vermeintlich von einem „Establishment“ oder einer „korrupten Elite“ hintergangen. Populismus lebt von dieser moralisch aufgeladenen Polarisierung. Während sich linker Populismus in der Regel gegen eine ökonomische Elite wendet, sind laut Fachleuten bei rechtspopulistischen Erzählungen „die Anderen“ gewöhnlich Migrant:innen, Geflüchtete, ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten oder andere Gruppen. Sie werden nicht als Teil des „wahren Volkes“ angesehen und daher ausgegrenzt. Die „Eliten“ kümmern sich der Erzählung zufolge zu sehr um diese Gruppen und vergessen das „wahre Volk“. Häufig werden auch Medien, Menschenrechtler:innen, Künstler:innen und Intellektuelle zu dieser „Elite“.  Exemplarisch für Rechtspopulismus ist Fachleuten zufolge zudem ein ausgeprägter Nationalismus. Andere Staaten, Staatenbündnisse wie die EU oder internationale Organisationen und Institutionen wie die UNO, die Weltbank oder die WHO dienen häufig als Feindbilder. 23

Regenbogenfamilie

bezeichnet Familienmodelle, in denen (manche oder alle) Elternteile nicht heteronormativ leben. 8

„Remigration“

meint als populistische Parole die Ausweisung oder Abschiebung von Menschen mit Migrationshintergrund oder Geflüchteten aus Deutschland. Die Forderung wird von Rechtsradikalen und Rechtsextremen erhoben, als Mittel gegen die pluralistische Einwanderungsgesellschaft. Dahinter steht oftmals die Verschwörungstheorie, es sei ein geplanter »Bevölkerungsaustausch« oder eine »Umvolkung« im Gange, die umgekehrt werden müsste. Der Begriff hat 2024 neue Bekanntheit erlangt, nachdem durch eine Correctiv-Recherche an die Öffentlichkeit gelangt war, dass im November ein geheimes Treffen Rechtsextremer in Potsdam stattgefunden hat. Bei diesem Treffen wurden Deportationspläne für migrantische Menschen und Andersdenkende besprochen und unter dem Schlagwort »Remigration« geführt. Das Bekanntwerden des Treffens hat zu den größten Demonstrationen und Bürger:innen-Protesten seit dem Mauerfall geführt. Der Begriff wurde von Medien oft unkritisch übernommen. 2

Reproduktion

Im Kern bedeutet Reproduktion das Wiederherstellen eines Ausgangszustandes. Mit dem Begriff wird einerseits aufgezeigt, dass es statisch erscheinende Gegebenheiten gibt, andererseits werden diese systemischen Prozesse immer dynamisch wiederkehrend hergestellt. In dem Zusammenhang bedeutet eine Reproduktion von Rassismus die fortwährende Wiederherstellung rassistischer Strukturen, die statisch erscheinen, jedoch durch gesellschaftliche Prozesse dynamisch aufrechterhalten werden. Rassismus ist tief in historische Machtverhältnisse, Wissensarchive und soziale Hierarchien eingeschrieben und prägt dadurch Denkweisen, Handlungen und gesellschaftliche Strukturen. Da Rassismen als erlernte Normalitäten verinnerlicht werden, trägt jede Person in einer von Rassismus geprägten Gesellschaft unbewusst oder bewusst zu deren Reproduktion bei – unabhängig von politischer Haltung, ethnischer Zugehörigkeit oder sozialer Position. Rassismen und ihre Reproduktion sind daher nicht personell – und genauso wenig auf eingeschränkte Räume oder Orte – einzugrenzen, und insofern keine Ausnahmeerscheinung, sondern vielmehr in sämtlichen Strukturen einer Gesellschaft eingebettet und wirksam. 54

S

Schubladendenken/ Menschen in Schubladen stecken

Schubladen sind im politischen Kontext metaphorisch zu deuten und beschreiben die Eingliederung bzw. die Reduzierung von Menschen und Situationen auf Stereotypen und Vorurteile. Mensch sperrt Personen also metaphorisch in eine kleine Schublade ohne Raum für Eigeninterpretation und die Chance sich selbst zu definieren. 1

Schwarze Menschen, Schwarze:r

ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit beispielsweise afrikanischen, karibischen oder afro-US-amerikanischen Vorfahren. Schwarz wird in diesem Zusammenhang immer groß geschrieben, um deutlich zu machen, dass damit keine Hautfarbe beschrieben wird. Schwarz ist vielmehr eine politische Selbstbezeichnung, die gemeinsame Erfahrungen sowie die gesellschaftspolitische Position und die Lebensrealität von Menschen beschreibt, die von Anti-Schwarzem Rassismus betroffen sind. 2

Schwer-Erreichbare- Gruppen (hard-to-reach)

Bestimmte Personen oder Gruppen werden in den Bereichen Gesundheit oder Soziale Arbeit als „schwer erreichbar“ oder „hard-to-reach“ beschrieben. Dazu gehören u.a. Menschen, die Drogen konsumieren, HIV-Infizierte, Angehörige sexueller Minderheiten, Geflüchtete, Angehörige Schwarzer und ethnischer Minderheiten und obdachlose Menschen. Bei der Nutzung des Begriffs ist zu berücksichtigen, dass es oft eine Reihe potenzieller Zugangsbarrieren zu Angeboten für Menschen gibt, wie z.B. schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit, der Standort und die Öffnungszeiten der Angebote sowie die Art und Weise, wie Angebote finanziert und verwaltet werden. Die „schwere Erreichbarkeit“ ist somit nicht notwendigerweise ein Charakteristikum der Individuen, sondern eine Folge der (Fehl-)Gestaltung jeweiliger Systeme, die nicht auf eine angemessene Erreichung ausgelegt sind. Die Fremdbezeichnung kann von Personen der jeweiligen Gruppen als negativ konnotiert wahrgenommen werden. Darauf basierend gibt es Lösungsvorschläge, wie der Zugang zu Dienstleistungen für „schwer erreichbare“ Personen und Gruppen verbessert werden kann wie z.B. ein respektvoller Umgang, Aufbau von Vertrauen, Dienstleistungsflexibilität, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Partizipation von Nutzenden. 27

Selbstbezeichnung

Oft gibt es für marginalisierte Gruppen mehrere Namen. Einen (oder mehrere) Namen, den die marginalisierte Gruppe für sich selbst wählt: das ist die Selbstbezeichnung. Und einen (oder mehrere) Namen, den die Dominanzgesellschaft benutzt, um über die marginalisierte Gruppe zu sprechen: das ist die Zuschreibung. Die Selbstbezeichnung ist empowernd. Sie vermittelt ein positives Wir-Gefühl. Die Zuschreibung hingegen macht die marginalisierte Gruppe zu Anderen: In diesem Zusammenhang spricht man auch von othering. Oft dauert es lange, bis Selbstbezeichnungen sich durchsetzen. Ein Beispiel für eine Selbstbezeichnung ist Person of Color. 15

Sexismus

bezeichnet die strukturelle und gesellschaftliche Ungleichbehandlung sowie die Abwertung von Frauen und Mädchen gegenüber Männern und Jungen. Diese Privilegierung männlicher Eigenschaften zeigt sich unter anderem in der ungleichen Verteilung von Macht, Ressourcen und Status sowie in der Erwartung, dass auch Frauen bestimmte männlich konnotierte Verhaltensweisen annehmen müssten, um in Führungspositionen aufzusteigen. Grund dafür ist die tiefe Verankerung von Sexismus in der patriarchalen Ordnung und einer lang anhaltenden rechtlichen Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft. Sexismus äußert sich in Form von Gewalt, Diskriminierung und der Abwertung von Frauen und als weiblich wahrgenommen Personen – (z.B. Transmänner, nicht-binäre und Inter Personen). Zudem betrifft er die Abwertung von als „weiblich“ geltenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen, insbesondere wenn diese von Männern oder Jungen gezeigt werden, wie z.B. das Übernehmen von Sorge-Arbeit oder offenes Interesse an feminisierten Aktivitäten/Farben. Sexistische Vorstellungen erschweren ebenfalls gleichberechtigte Beziehungen zwischen den Geschlechtern – etwa durch die Abwertung von Männern in gleichberechtigten Partnerschaften oder das Aberkennen platonischer Freundschaften zwischen Männern und Frauen. 8

Silencing

bezeichnet Prozesse, bei denen Menschen daran gehindert oder entmutigt werden, ihre Erfahrungen oder Anliegen zu äußern. In der Gesundheitsversorgung tritt Silencing häufig in asymmetrischen Machtverhältnissen auf, wo medizinische Fachkräfte aufgrund ihrer Ressourcen und ihres Wissens eine Machtposition gegenüber den Patienten haben. Diese Abhängigkeit und Vulnerabilität erschweren es Betroffenen, sich gegen rassistische Diskriminierung zur Wehr zu setzen oder diese überhaupt zu benennen, aus Angst, die Beziehung zu dem Gesundheitspersonal und die Qualität der Behandlung zu gefährden. 4

Solidarität

bezeichnet die Zusammengehörigkeit und wechselseitige Verpflichtung von Individuen und Gruppen.

Sie wird gerne als Appell benutzt, um sich für die Interessen von Minderheiten bzw. Gesellschaftlich schwächer Gestellten einzusetzen und ein gemeinschaftsbezogenes Engagement hervorzurufen. Dabei sind es nicht nur staatliche und internationale Organisationen, sondern auch zivilgesellschaftliche Akteur:innen, soziale Bewegungen und Individuen, die sich an der Mobilisierung von Solidarität beteiligen. 14

soziale Determinanten von Gesundheit

Mit sozialen Determinanten der Gesundheit sind all jene Bedingungen gemeint, in die Menschen hineingeboren werden, unter denen sie aufwachsen, leben, arbeiten und altern. Diese Bedingungen, so die Weltgesundheitsorganisation, werden durch die Verteilung von Geld, Macht und anderen Ressourcen auf globaler, nationaler sowie lokaler Ebene beeinflusst. Soziale Determinanten beeinflussen über materielle, psychosoziale, verhaltensbezogene und intergenerationelle Mechanismen die Verteilung von Gesundheit und Krankheit in der Gesellschaft. Nicht zuletzt beeinflussen soziale Determinanten dadurch das Ausmaß gesundheitlicher Ungleichheiten zwischen und innerhalb von Ländern. 55

Rassismus und andere Diskriminierungsformen zählen zu den sozialen Determinanten der Gesundheit. Sie wirken auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene negativ auf den Gesundheitszustand und die Qualität der Gesundheitsversorgung. 20

sozialer Status/ soziale Herkunft

ist ein soziologischer Begriff für die (hohe oder niedere) soziale Stellung bzw. Wertschätzung, die einer Person in der Gesellschaft zukommt. Zu unterscheiden sind soziale Herkunft (mit Geburt ererbt) und erworbener sozialer Status (z. B. durch Leistung erzielt). 25

Sprachmittlung

im Alltagsdeutsch auch „Dolmetschen“ genannt, in Person in Präsenz, inkl. Video-Sprachmittlung, Telefonische Sprachmittlung, Sprachmittlung ist ein Oberbegriff für die Übertragung von Inhalten aus einer Sprache in eine andere. Unter die Sprachmittlung fallen somit auch das klassische Übersetzen (einen schriftlichen Text aus einer Sprache in einen schriftlichen Text einer anderen Sprache bringen) oder das Dolmetschen (gesprochene Sprache von einer Sprache in die andere bringen). Sprachmittlung beinhaltet jedoch als zusätzlichen Aspekt noch die Komponente der „sinngemäßen Übertragung“. So versuchen Sprachmittler:innen nicht nur eine adäquate Übersetzung, sondern auch den richtigen „Ton“ zu finden. Dies kann durch klassische Zusammenfassungen oder Paraphrasieren geschehen. Bei diesen beiden Methoden sind jeweils die Richtungen: aus schriftlich zu mündlich, aus schriftlich zu schriftlich, aus mündlich zu schriftlich und aus mündlich zu mündlich denkbar. 56

Sprachsensibel

beschreibt den sensiblen Umgang mit Sprache und meint den feinfühligen Umgang mit dem wichtigsten Kommunikationsmittel der Menschen, um eine missverständnislose und allen daran Beteiligten eine problemlose Kommunikation zu ermöglichen. Dadurch tritt die Bedeutsamkeit und das notwendige Bewusstsein dieser Thematik in der heutigen Zeit und in der kulturell sehr vielfältigen Gemeinschaft in den Fokus. Eine weitere wichtige Eigenschaft dabei ist das konkret geförderte Bewusstsein von Sprache und eine gezielte, darauf gelenkte Aufmerksamkeit, die in vielen Lebensbereichen eine wichtige Rolle spielt. 57

Stereotypen

ist ein verallgemeinertes, oft vereinfachtes und manchmal negatives oder positives Bild von Individuen basierend auf ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe, nicht auf ihren individuellen Eigenschaften. Es ordnet Personen in bestimmte Kategorien ein und ist ein Mechanismus, der in der massenmedialen Kommunikation zur Komplexitätsreduktion dient. Stereotype können sich auf jede soziale Gruppe beziehen, sind kulturell gebunden und verändern sich über die Zeit. Sie sind eng mit Vorurteilen verbunden, da sie bestimmten Gruppen spezifische Eigenschaften, Rollen oder Verhaltensweisen zuschreiben. 58

Sternchen*

Das Sternchen, * nach Worten (Frauen*). Der Stern soll Vielfalt ausdrücken, so wie das Sternchen zwischen Wortstamm und Endung.  Allerdings ist es so, dass die Verwendung von Sternchen für viele u. A. trans Menschen eher exklusiv als inklusiv ist. Z. B. sagt es aus, dass trans Frauen keine echten Frauen sind und daher nur Frauen* sind, keine Frauen. 1

Neben dem Sternchen wird auch ein Doppelpunkt zum Gendern benutzt. Der Doppelpunkt bietet den Vorteil, dass Screenreader, die von Menschen mit Sehbeeinträchtigung genutzt werden, den Doppelpunkt in der Regel als kurze Pause interpretieren. Dies erleichtert das Verständnis im Vergleich zu anderen Sonderzeichen, die möglicherweise falsch oder gar nicht vorgelesen werden.

strukturelle Kompetenz

ist ein Ansatz, der in den USA von Neff et. al. 2020 entwickelt wurde. Er soll das Gesundheitspersonal dazu befähigen, Gesundheit und Krankheit als Auswirkung von strukturellen Faktoren in der Gesellschaft zu verstehen (wie z.B. von Armut, Ignoranz von Gender-Unterschieden, Rassismus etc.). Der Ansatz basiert auf der Tatsache, dass Gesundheit, Krankheit und Risikofaktoren in Deutschland ungleich verteilt sind und mit den sozialen, politischen und ökonomischen Umständen zu tun haben, in denen die Patient:innen leben. Im Zentrum stehen gesellschaftliche Machtverhältnisse, die sich auf die Gesundheit auswirken.

Das Gesundheitspersonal wird im Ansatz der strukturellen Kompetenz dazu befähigt,

  • strukturelle Einflüsse auf Gesundheit und Krankheit zu identifizieren,
  • strukturelle Einflüsse auf die Gesundheitsversorgung zu verstehen, die vom Gesundheitspersonal geleistet wird,
  • Strategien zu entwickeln, um auf die Auswirkungen von strukturellen Einflüssen auf die Gesundheitsversorgung zu reagieren und auch Strategien zu entwickeln, um auf die Auswirkungen struktureller Einflüsse außerhalb der Klinik bzw. des Gesundheitswesens Einfluss zu nehmen;
  • mit der Haltung „struktureller Bescheidenheit“ in der Gesundheitsversorgung zu arbeiten. Dies bedeutet, sich klarzumachen, dass Ärzt:innen/ Gesundheitspersonal nicht allwissend sind und daher mit Expert:innen zusammenarbeiten sollten, die sich mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Gesundheit, Krankheit und sozialen, politischen und ökonomischen Umständen auskennen 59
struktureller Rassismus

betrifft das gesamte gesellschaftliche System, einschließlich Rechtsvorstellungen, politische Strukturen und ökonomische Verhältnisse, und bezieht sich auf Diskriminierung, Benachteiligung und Ausschlüsse in verschiedenen Bereichen wie Bildung, Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und Strafjustiz. Er umfasst die miteinander verschränkten Institutionen der Gesellschaft, geht aber über die Summe der einzelnen Teile hinaus, indem er deren historischen und kulturellen Bedingungen sichtbar macht. Die Analyse von strukturellem Rassismus untersucht, wie gesellschaftliche Prozesse soziale Ungleichheiten erzeugen und aufrechterhalten. Dabei wird betrachtet, wie verschiedene Formen des Rassismus – sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene – zusammenwirken und bestehende Ungleichheiten verstärken. 4

T

Täter-Opfer-Umkehr

Bei „Täter:in-Opfer-Umkehr“, im Englischen auch „Victim Blaming“ genannt, wird die Verantwortung einer grenzverletzenden oder strafrechtlich relevanten Tat bei den Betroffenen gesucht und diesen zugeschrieben. 60

taub / „taubstumm“

Die Bezeichnung «taub» wird zwar von einigen gehörlosen Menschen verwendet, besser ist jedoch der Begriff gehörlos. Der Begriff «taub-stumm» sollte als Fremdbezeichnung jedoch nicht verwendet werden, da auch Menschen mit Hörbehinderung sprechen, etwa in Gebärdensprache. 7

Token/ Tokenisierung

Oft verübt von fake allies. Wenn man nur eine flüchtige Anstrengung oder symbolische Geste in Richtung Aktivismus/Diversität unternimmt, um welt-offen, aktivistisch und aufgeklärt zu wirken, ohne Selbstreflektion zu betreiben und somit Betroffene ausnutzt und Gefahren aussetzt, indem man marginalisierte Menschen und deren Körper für den eigenen Profit ausnutzt. Zum Beispiel einen Artikel über intersektionalen Feminismus zu verfassen und als Titelbild eine Schwarze Frau nutzen, während im Artikel Schwarze Frauen nicht erwähnt werden bzw. nicht zu Wort kommen.

Oft wird Tokenisierung auch von privilegierteren Menschen benutzt, um Betroffene zu denunzieren/zu silencen und als Argument zu nutzen; z.B.. „Mein Freund ist Bi_PoC und der sieht das anders als du, also ist es falsch, was du sagst!“ 1

toxische Männlichkeit

bezeichnet gesellschaftlich aufgezwungene Rollenbilder, die Männern vorschreiben, dominant, stark und durchsetzungsfähig zu sein. Diese Vorstellung, geprägt vom Patriarchat, schadet nicht nur Männern selbst, sondern auch Frauen, nicht-binären und queeren Personen. Alles als „feminin“ Wahrgenommene wird dabei abgewertet und unterdrückt. Toxische Männlichkeit trägt zur Gewalt gegen Frauen (z. B. Femizide) bei und beeinflusst auch Partnerwahl und Machtverhältnisse in Beziehungen. Sie führt dazu, dass Männer sich Frauen mit niedrigeren beruflichen Positionen suchen, um sich überlegen zu fühlen. 1

Transfeindlichkeit

Um das auf individuelle Angst abstellende und damit verharmlosende Phobie-Konzept zu umgehen, wurde der Begriff Transfeindlichkeit geschaffen. Er soll den systemisch-strukturellen Aspekt der Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung von trans* Personen als feindlich und entsprechend bedrohlich offenlegen. 61

transgender / trans* / transsexuell

bezeichnet Personen, die sich nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. 7

Auch Inter* können trans sein, wenn sie ein anderes geschlechtliches Selbstverständnis haben als das Geschlecht, das ihnen durch Eltern und/oder Medizin etc. zugewiesen wurde, und den Begriff trans als eine passende Beschreibung für diese Erfahrung finden. Manche trans Menschen empfinden ihren Körper als falsch (körperliche Geschlechtsdysphorie) und streben eine (teilweise oder umfänglichere) körperliche Angleichung an. Andere trans Menschen empfinden ihren Körper als richtig und haben vor allem Probleme damit, wie gesellschaftlich von ihrem Körper auf ihr Geschlecht geschlossen wird (soziale Geschlechtsdysphorie). Manche streben körperliche Angleichungen an (möglich u.a.: Hormone, Operationen), andere nicht. adjektivische Verwendung (z.B. trans Mädchen): Im Aktivismus werden mittlerweile frühere Schreibweisen wie Transfrau, Trans-Mann oder Ähnliches abgelehnt, weil diese Schreibweisen den Trans-Begriff zu einem Teil der zentralen Geschlechtsidentität machen, was für das Selbstverständnis vieler trans Menschen nicht zutrifft. Die adjektivische Schreibweise (also trans als Adjektiv vorauszuschicken, so wie auch andere Eigenschaften, z.B. groß oder neugierig, also beispielsweise: trans Frau, trans Junge, trans Menschen etc.) bildet eher ab, dass aus Sicht vieler trans Menschen ihr (Nicht-)Geschlecht zentral ist (Mädchen, Mann, Enby etc. oder kein Geschlecht bei agender Menschen) und der Aspekt trans nur eine spezifische Erfahrung abbildet, die nicht bzw. nur in spezifischen Situationen in den Fokus gerückt werden sollte. 8

Transition / Geschlechtsangleichung

Die operative und/ oder hormonelle Umstellung der Genitalien, Sexualhormone u.a.einer trans Person, auch Geschlechtsangleichung genannt. Der Begriff Geschlechtsumwandlung ist allerdings diskriminierend. 1

transkategoriale Kompetenz

ist die Fähigkeit, individuelle Lebenswelten (von Patient:innen/ Angehörigen) in verschiedenen Situationen und Kontexten zu verstehen und daraus angepasste Handlungsweisen abzuleiten. Fachpersonen mit dieser Kompetenz reflektieren ihre eigenen Prägungen und Vorurteile, erfassen die Perspektiven anderer und vermeiden Stereotypisierungen sowie Stigmatisierungen. Sie erkennen, dass in pluralen Gesellschaften komplexe Identitäten die Norm sind und dass Kategorien wie Migration/ Mobilität, sexuelle Orientierung, Geschlecht, Behinderung oder Alter etc. zu Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung führen können. 62

transkulturell

Im Gegensatz zu dem Begriff „interkulturell“ liegt dem Begriff „transkulturell“ ein Kulturverständnis zugrunde, das dynamische Beeinflussungen von Kulturen, kulturelle Überschneidungen, Vermischungen und Gemeinsamkeiten zulässt. Es wird nicht nur auf kulturelle Unterschiede geachtet, sondern vielmehr auf kulturelle Anschlussmöglichkeiten, gegenseitige Bereicherung, einem „sowohl als auch“ anstelle von einem „entweder oder“. ,,Transkulturelle Kompetenz“ umfasst jene Fähigkeiten und Haltungen, die auch unter „Diversitätskompetenz“ erwähnt wurden, wobei hier der Fokus mehr auf den kulturellen Dimensionen menschlichen Verhaltens, Denkens und Fühlens liegt. 20

Trigger/triggern

Ein negatives Gefühl oder Erinnerungen, die zum Vorschein kommen, wenn mensch mit etwas konfrontiert wird, was sich negativ auf die Psyche auswirken kann. Wenn ein erlebtes Trauma eine negative Reaktion auslösen kann, wenn man daran erinnert wird durch Schlüsselwörter/Bilder/etc. Manchmal auch einfach nur etwas Unkomfortables, was extreme Wut, Trauer oder Angriff/Abwehrreaktionen auslösen kann. Dafür ist das Wort Trigger aber nicht passend, sondern Content Warning (Inhaltswarnung). 1

V

verandern/ Veranderung

siehe „Othering“

Victim-blaming

Wenn mensch eine Person, oft marginalisierte Menschen, für ihre eigene Unterdrückung, Diskriminierung, traumatische Erfahrungen und/ oder widerfahrene Ungerechtigkeiten verantwortlich macht. 1

Vorurteil

Vorurteile sind negative oder ablehnende Einstellungen gegenüber Menschen oder Menschengruppen, denen aufgrund stereotyper Vorstellungen bestimmte, oft negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Diese Vorurteile sind oft historisch tradiert und werden in den Medien und im Alltag reproduziert. Allerdings wird der Begriff aus rassismuskritischer Perspektive kritisiert, da er dazu neigt, rassistische Einstellungen als individuelles Problem darzustellen und die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Machtverhältnisse zu vernachlässigen. Dies könnte dazu führen, dass Rassismus relativiert wird. 3

W

weibliche Genitalverstümmelung /beschneidung (FGM-C Female Genital Mutilation_Cuting)

Weibliche Genitalverstümmelung /-beschneidung (auf Englisch: Female Genital Mutilation,Cutting kurz: FGM_C) bzw. weibliche Beschneidung bezeichnet die teilweise oder komplette Entfernung oder Verletzung der äußeren weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen. Der Eingriff kann zum Tod führen. Die meisten Überlebenden leiden ein Leben lang unter den Folgen des Eingriffs. FGM ist eine Menschenrechtsverletzung. Sie stellt einen Verstoß gegen die körperliche und psychische Unversehrtheit von Frauen und Mädchen dar. 63

weiß gelesen

(engl. white passing) ist eine Person mit meistens sehr heller Haut (light-skinned) und/ oder wenig gelockten Haaren, die Schwarze Eltern oder Großeltern hat, und als weiß, also ohne afrodiasporische Migrationsgeschichte wahrgenommen wird. In ähnlichen Fällen können auch People of Color als weiß gelesen werden. Historisch konnte es große Vorteile bringen, für weiß gehalten zu werden und auch heute noch sind damit Privilegien verbunden (weiße Privilegien). Aber auch Weißgelesene können beispielsweise aufgrund ihrer Schwarzen Familie Rassismus erleben. Teilweise bezeichnen sie sich deshalb ebenfalls als Schwarz, PoC oder nicht-weiß. 2

weiß/ Weißsein

Mit weiß ist nicht nur die Hautfarbe gemeint, sondern eine gesellschaftliche Position in einem rassistischen System. Rassismus betrifft nicht nur diskriminierte Gruppen, sondern auch weiße Menschen, indem er ihnen Privilegien und eine dominante gesellschaftliche Rolle zuweist. Weiße Menschen werden oft als „neutral“ oder „normgebend“ angesehen, ohne dass ihre eigene Position als weiß thematisiert wird. Wer als weiß gilt, kann je nach Zeit, Ort und Gesellschaft variieren, aber die Vorteile dieser Position sind tief in der Gesellschaft verankert und nicht individuell wählbar. Der Begriff weiß wird verwendet, um diese unsichtbaren Privilegien sichtbar zu machen und Machtstrukturen kritisch zu hinterfragen. 3

weiße Privilegien

sind gesellschaftliche Vorteile, die damit einhergehen, weiß zu sein, allen voran das Privileg, nicht rassistisch diskriminiert zu werden. 2

weiße Zerbrechlichkeit (white fragility)

bezeichnet die oft unbewusste Reaktion von weiß positionierten Menschen auf die Auseinandersetzung mit Rassismus. Diese Reaktion äußert sich oft in Wut, Verärgerung, Weinen oder Rückzug, und dient dazu, die Konfrontation mit Rassismus abzuwehren. Dabei wird die Person, die Rassismus anspricht, oft zum Täter gemacht, während das Gegenüber sich in die Opferrolle begibt. Dies verhindert eine konstruktive Auseinandersetzung mit Rassismus und den eigenen Privilegien. Um diesen Zyklus zu durchbrechen, ist es wichtig, dass weiße Menschen lernen, Feedback konstruktiv anzunehmen und sich mit ihrer eigenen Rolle im Kontext von Rassismus auseinanderzusetzen. 3

weißer Blick (white Gaze)

Der Begriff „white gaze“ wurde von der afroamerikanischen Schriftstellerin Toni Morrison geprägt. Er beschreibt eine Perspektive, die ausschließlich die Realitäten, Normen und Wahrnehmungen weißer Menschen reflektiert und alle anderen ausgrenzt. Auch BIPoC Autor:innen sind davon beeinflusst, da sie in die rassistischen Diskurse der Gesellschaft verstrickt sind und sich oft Gedanken über die Rezeption ihrer Werke durch Weiße machen. Dennoch können Autor:innen und Künstler:innen durch Bewusstmachung dieses Einflusses dem white gaze entkommen. 3

Whataboutism

leitet sich aus einer englischen Redewendung ab, die mit „Was ist denn mit…?“ übersetzt werden kann. Diese Gesprächsstrategie kann häufig in Diskussionen zum Thema Rassismus beobachtet werden. So wird zum Beispiel beim Adressieren rassistischer Diskriminierung mit dem Hinweis auf andere vermeintliche Diskriminierungserfahrungen reagiert. Dies dient der Ablenkung und Relativierung von Rassismuserfahrungen bzw. Erfahrungen marginalisierter Gruppen. In diesem Fall stellt Whataboutism einen weißen Abwehrmechanismus dar und bildet eins der unterschiedlichen Reaktionsmuster von white fragility. Bei Whataboutism handelt es sich also um ein rhetorisches Ablenkungsmanöver, bei dem eine kritische Frage oder ein Argument mit einer Gegenfrage erwidert wird, um vom Thema der Diskussion abzulenken. Die anfängliche Aussage wird mit einer Gegenaussage relativiert, die nichts mit der Ursprungsaussage zu tun hat. Durch die Ablenkung leitet das Gegenüber ein neues Thema ein und es soll verhindert werden, dass die Argumente zum ursprünglichen Thema kritisiert werden. Möglichkeiten Whataboutism zu begegnen sind, sich nicht provozieren zu lassen, den fehlenden Zusammenhang zu benennen, auf das Ablenkungsmanöver hinzuweisen und beim eigentlichen Thema zu bleiben. 3

Willkommenskultur

hat verschiedene Bedeutungsverschiebungen erfahren. Zuletzt diente ‚Willkommenskultur‘ in öffentlich-medialen Debatten, aber auch in der Migrationsforschung dazu, den vielfältigen und meist spontanen ehrenamtlichen Einsatz für Geflüchtete im Laufe des Jahres 2015 begrifflich zu fassen. Allerdings wird der Begriff auch kritisch betrachtet, da er zwischen erwünschter und unerwünschter Migration unterscheidet und somit bestehende Ausschlussmechanismen verschleiern kann. 14

woke/ wokeness

bedeutet „Wachsamkeit“ für Diskriminierung und Missstand. Insbesondere junge Leute verwenden es, weil sie sowohl Anglizismen als auch neuen Wörtern gegenüber offen sind. Vielfach wird woke zur Bezeichnung von Menschen genutzt, die sich intersektional gegen Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung engagieren. Woke ist die Vergangenheitsform des englischen Verbes to wake up und bedeutet „aufgewacht“. Im Zusammenhang eines „erwachten“ Bewusstseins für mangelnde soziale Gerechtigkeit und Rassismus wurde es zunächst in der afroamerikanischen Bewegung ab den 1930er Jahren bekannt. Die Black Lives Matter Bewegung in den USA hat es ab 2014 wieder benutzt, mit „stay woke“ im Sinne von „wachsam bleiben“: eine Warnung vor Polizeiübergriffen oder als Aufruf, wählen zu gehen. Ebenso dient es der Aufforderung, sensibel zu sein und entschlossen gegen systembedingte Benachteiligungen vorzugehen. Das Wort woke ist vor allem in den sozialen Netzwerken präsent. Es wird auch in Kommentarspalten konservativer Zeitungen aufgegriffen, um wokes Verhalten oder die Woke-Bewegung zu kritisieren. Barack Obama hat in einem Interview mit der New York Times 2019 angemerkt, dass der Aktivismus junger Menschen heutzutage darauf beruhe, andere an den Pranger zu stellen. So entstehe eine Schwarz-Weiß-Sicht, bei der es an Raum für Dialog und Aufklärung fehle. Dabei mache jeder Mensch Fehler. Wie der frühere US-Präsident befürchten viele, die woke kritisch sehen, eine Unterwanderung der Meinungsfreiheit und erkennen eine Art neuen Moralismus aufgrund der Forderung nach politischer Korrektheit. 29

X

Xenophobie

stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Fremdenangst“. Im deutschen Sprachgebrauch wird er oft als „Fremdenfeindlichkeit“ übersetzt. beschreibt eine ablehnende Haltung oder feindseliges Verhalten gegenüber Menschen, die als „nicht-deutsch“ wahrgenommen werden – sei es wegen ihrer Nationalität, Ethnie, Religion oder Hautfarbe. Betroffene werden oft als fremd und bedrohlich angesehen, was zu Benachteiligung oder sogar Gewalt führen kann. Aus rassismuskritischer Sicht wird der Begriff kritisiert, da er selbst das „Fremdsein“ betont und so Ausgrenzung verstärkt. Zudem konzentriert er sich auf individuelle Einstellungen und ignoriert strukturellen Rassismus. Deshalb wird stattdessen von Rassismus gesprochen. 3

xier

Neopronomen mit den Deklinationen: »xier«, »xies«, »xiem« und »xien«  Die Endungen orientieren sich an den vier Fragewörtern »wer«, »wessen«, »wem« und »wen«. Bei den Artikeln und Relativpronomen war das genauso: »dier«, »dies«, »diem«, »dien«. Der Genitiv »xies« wurde mittlerweile auf »xieser« geändert, um ihn mit der Deklination der herkömmlichen Pronomen abzustimmen.

Anwendungsbeispiele:

Die zugehörigen Possessivpronomen haben den Wortstamm »xies…« und werden in Abhängigkeit vom jeweiligen Beziehungswort dekliniert. Im folgenden ist das Beziehungswort »Koffer«:

Ich hole ihre und xiese Koffer ab.

Das Beziehungswort kann ein weiterer Mensch sein. Wenn dieser »xier« für sich benutzt, braucht es einen Satz zusätzliche Endungen. Diese sind noch in der Entwicklung und eine Möglichkeit sieht wie folgt aus:

Das bringe ich meinim und xiesim Freund_in mit.7 64

Z

Zwangsouting

bezeichnet die unfreiwillige Offenlegung der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person durch Dritte, ohne deren Zustimmung oder Wissen. 65

Zweigeschlechtlichkeit

(auch Kultur/System der Zweigeschlechtlichkeit): Kultur, die nur zwei Geschlechter als ‚normal‘, ‚gesund‘, ‚natürlich‘ oder ‚wünschenswert‘ anerkennt und andere diskriminiert, verbesondert, exotisiert, pathologisiert, ihnen mit Gewalt begegnet bzw. sie zu verhindern und/oder vernichten sucht (vgl. Inter*feindlichkeit, Trans*feindlichkeit, Cis-Sexismus, Endo-Sexismus). In einer Kultur/ einem System der Zweigeschlechtlichkeit werden darüber hinaus auch eine große Bandbreite an Eigenschaften, Tätigkeiten, Berufen, Kompetenzen, Interessensfeldern etc. vergeschlechtlicht und einem der beiden anerkannten Geschlechter zugeordnet. 8

Quellenauflistung

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